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Montag, 28. Januar 2013

Uta Köbernick und Attac - Blog von Kiat Gorina


Erinnern wir uns, 2011 erschien das Büchlein von Stéphane Hessel - mit dem auffordernden Titel "EMPÖRT EUCH!" Da schickte mir Juliane einen Link auf ein Lied - von der Sängerin Uta Köbernick. Das hat mir so gefallen, dass ich gleich einen Artikel darüber schrieb:

Quelle: Uta Köbernick: EMPÖRT - Das passende Lied zu Stéphane Hessels Streitschrift

Uta Köbernick erhielt 2009 den deutschen Kleinkunstpreis und 2011 den Preis des Liederfestes Bonner Pantheon 2011. 2012 trat sie bei der Attac-Sommerakademie auf. Ich fand drei Videos von ihrem Auftritt: 


Veröffentlicht am 11.08.2012 von MrMarxismo


Veröffentlicht am 11.08.2012 von MrMarxismo


Veröffentlicht am 11.08.2012 von MrMarxismo

Ich mag ihr tiefgründigen Texte sehr! Uta Köbernick hat auch eine eigene Homepage - hochinteressant!

Freitag, 31. August 2012

Haul-Videos und die Sklavinnen der Werbeindustrie - Blog von Kiat Gorina


Vor einigen Tagen rief mich eine Kundin - ihre ältere Eselstute hatte Probleme: Immer mehr Ekzeme. Da in Bayern derzeit Ferien sind, rief sie nach ihrer Tochter. Aber die Tochter rief zurück: "Ich kann nicht, ich muss ein Haul-Video aufnehmen!" 

Verdutzt fragte ich die Mutter: "Was ist das denn? Heult sie da und macht daraus ein Video?" 

Ihre Mutter lachte: "Du bist manchmal richtig weltfremd. Haul bedeutet Jagen, Beute. Da gehen die jungen Mädchen einkaufen und präsentieren ihren Einkauf als Beute in einem Video." 

Ich schüttelte meinen Kopf: "Und wozu soll das gut sein? Außer zum Angeben?" 

"Aber das machen doch die meisten Mädchen an ihrer Schule. Wenn wir hier fertig sind, kann sie dir das mal zeigen." 

Ja, und so geschah es. Die Ekzeme behandelte ich, die Eselin hörte auf, immer in die wunden Stellen zu beißen. Offensichtlich juckten diese Stellen nicht mehr. Also ging die Mutter ins Zimmer ihrer Tochter. Die Tür war offen - es war ja sehr heiß. 

Auf dem Schreibtisch stand ein ausgepacktes Paket - lauter Kosmetikartikel. Die Mutter erstaunt: "Was hast du denn da bestellt? Davon wusste ich gar nichts! Wer soll das bezahlen?" 

Die Tochter bekam einen roten Kopf und stammelte: "Das brauche ich nicht bezahlen. Ich muss nur darüber in meinem Blog schreiben." 

Meine Augen glitten über das Durcheinander und da sah ich einen Brief von einem Hersteller. Ich fragte das Mädchen: "Darf ich das mal lesen?" Widerwillig nickte das Mädchen. 

Ich las und las: Es war ein mehrseitiger Brief - da standen lauter Werbeaussagen zu den Artikeln drin. Dann dämmerte es mir: Die Firmen schicken den jungen Mädchen Artikel zum Testen, die sind stolz und schreiben die Werbetexte in ihrem Blog. Das ist ja nichts als Werbung. Ich reichte den Brief ihrer Mutter. Auch sie las und las. Dann fragte sie: "Hast du von anderen Firmen auch Sachen bekommen?" 

Das Mädchen nickte und öffnete ihren Kleiderschrank: Da war ein Fach vollgestopft - mit Kosmetika bis zum Umfallen. Die Mutter: "Darüber hast schon geschrieben?" 

Die Tochter fing an zu jammern: "Nein, noch nicht, es wird mir alles zu viel! Ich bekomme immer neue Sachen geschickt." Ihre Mutter kramte in den Artikeln und fand einen Brief. "Wieso ist der Brief an deine Freundin adressiert? Macht die das auch?" 

Wieder ein knallroter Kopf, dann Gestammel: "Die meisten Sachen habe ich an meine Freundin schicken lassen, damit du nichts merkst." 

"Ach so ist das, ich wundere mich, woher dieses Zeug kommt! Aber damit ist Schluss! Du hattest mir versprochen, in den Ferien zu lernen, damit du einen guten Abschluss schaffst. Kein Wunder, dass du schlechte Noten bekommen hast. Du warst wohl die ganze Zeit mit deinem Blog beschäftigt. Das kann doch so nicht weitergehen! Du versaust dir doch deine Zukunft damit! Was meinst du dazu?" fragte die Mutter mich. 

Ich versuchte zu vermitteln. Natürlich hatte die Mutter recht. Und ihre Tochter war das Opfer einer ausbeuterischen Werbeindustrie geworden. Und ich erklärte der Tochter mit einfachen Worten, was da läuft. Dass sie umsonst Werbung macht für Produkte, die sie sonst nie kaufen würde. 

Und dass sie dafür nicht bezahlt wurde. Ja, sie arbeite umsonst für die Werbefritzen. "Genau genommen, bist du eine Sklavin dieser Werbeindustrie! Die lachen sich ins Fäustchen, wieder eine Dumme gefunden zu haben, die umsonst Werbung macht!" 

Dann war Pause. Und das Mädchen murmelte: "Da war ich ziemlich blöd ..." 

Na, das war ja der erste Schritt der Selbsterkenntnis. Und sie fragte mich: "Was soll ich jetzt machen? Mir ist das alles zu viel!" 

"Hast du irgendetwas unterschrieben, wo du dich verpflichtest hast, über diesen Mist zu schreiben?" Sie schüttelte den Kopf.
"Dann schreibst du in deinem Blog, dass du derzeit Ferien hast und dass es etwas Besseres gibt, als Haul-Videos zu machen. Und du blogst einfach weniger. Deine Mutter hat völlig recht: Die Schule ist viel wichtiger!" 

Dann schaute ich auf die Uhr. Oje, ich hatte noch einen anderen Termin, also verabschiedete ich mich.


Hochgeladen von ToaLingLing am 18.04.2011

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