Freitag, 16. Januar 2009

Ärger mit der Bahn

Vorgestern beschloss ich, mit der Bahn zu fahren. Aber irgendwie habe ich Pech, die wenigen Male, als ich die Bahn benutzte, gab es Probleme.

Die letzte größere Fahrt machte ich 2007, als mich der Aufbau Verlag zur Buchmesse nach Frankfurt einlud. Die leitende Lektorin Sachbuch wollte mich sprechen. Ich war zwar verdutzt, wieso Sachbuch? Ich hatte ja schließlich mein Manuskript als Schlüsselroman eingereicht.

Eine Freundin, mit der ich in Deutschland das Abitur gemacht hatte, wohnt jetzt in Frankfurt, der erzählte ich das. Ja, sie wollte schon immer auf die Buchmesse, aber nicht an den Publikumstagen, sondern nur an der Fachbesuchertagen, da soll es ja nicht so voll sein.

Just an diesem Tag war Bahnstreik angesagt. Macht nichts, dachte ich mir und füllte meinen Rucksack mit all den Dingen, die ich vielleicht brauchen könnte, wenn der Zug auf weiter Strecke halten muss ... Außerdem habe ich meine bequemsten Boots angezogen, wegen der Lauferei auf der Messe. Und eine warme Jägerweste mit vielen Taschen.

Am Aufbau-Stand trafen dann zwei Welten aufeinander: Die Lektorin im schwarzen Miniröckchen, in einer sehr eng sitzenden Bluse (wie ist dir da reingekommen?) und mit braunen Lederstiefeln, mit Ansätzen für Sporenriemen, aber ein Pferd sah ich nicht. Dann machte sie in Zwangs-Smalltalk. Und ob ich wegen des Bahnstreiks keine Bedenken habe, wieder zu Hause anzukommen.

Nö, wieso denn? Ich habe alles dabei und klopfte auf meinen prallen Rucksack. Ja, und dann legte sie los. Sie wollte mein Manuskript als Biografie veröffentlichen, und sie wollte allen Ernstes Fotos von mir:

Wie ich mit den Wölfen gespielt habe. Von mir als Scharfschützin. Wo die Standorte der russischen Kasernen waren. Usw.

"Gute Frau, zu meiner Zeit in der Steppe, da war das modernste Gerät ein uralter Gabel-Vorderlader, einen Fotoapparat hatte niemand. Wo hätten wir denn die Filme entwickeln sollen?"

Sie murmelte: "Aber einen Foto hat doch jeder ..."

Und das als leitende Lektorin Sachbuch. Kurzum, dieses "Gespräch" hätte ich mir schenken können. Ich verabschiedete mich und winkte meiner Freundin, die an einem anderen Stand gewartet hatte. Die Lektorin wollte wissen, wer das sei. "Eine Freundin, mit der ich zusammen Abitur gemacht habe."

"Wieso haben Sie denn Abitur?"

"Ich habe in Deutschland nicht nur Abitur gemacht, sondern auch studiert und mit Diplom abgeschlossen" setzte ich drauf.

Die Lektorin bekam ganz schmale Lippen. Wahrscheinlich hatte sie sich was Unbedarftes vorgestellt, das sie bei Verhandlungen über den Tisch ziehen konnte. Ist aber nicht!

Ich schaute mich noch auf der Messe um und versuchte dann nach Haus zu kommen. Trotz Bahnstreik. Einfach war es nicht ...

Naja, es kam, wie es kommen musste: Im Mai 2008 meldete der damalige Verleger und Eigentümer des Aufbau Konkurs an. Mensch, habe ich da Glück gehabt ...

Zurück zu gestern: Da ging bei der Bahn rein gar nichts mehr und keiner wusste Bescheid. Angeblich lag die Ursache in einem Bahnrechenzentrum in Berlin, aber der Versorger Vattenfall wiegelte ab: Es gab keinen Netzausfall. Was denn nun? Wahrscheinlich haben die Sparmaßnahmen des Bahnchefs Mehdorn wieder mal hart durchgegriffen und seine Beraterchen haben die normalerweise redundanten Systeme wegrationalisiert. Zuzutrauen ist das diesem Völkchen schon ...

Jedenfalls dauerte es sehr lange, bis ich wieder zu Hause war. Und mein Bär war leider anderswo beschäftigt, er kümmerte sich um eine ältere Dame, für die er Betreuer ist. Sie liegt derzeit im Krankenhaus, was er da schon erlebt hat, das zieht einem die Socken aus. Die Verantwortlichen können sich schon mal warm anziehen. Aber das ist ein anderer Fall ...


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