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Samstag, 28. Dezember 2013

Vaterns Geiz machte auch vorm Tod nicht halt

Fotomontage von Denise R.
Freitag, 2. November 2001, 5 Uhr dreißig. Meine achte Nachtwache in Krankenhaus bei meiner sterbenden Stiefmutter. Zwei Stunden zuvor war sie gestorben, der diensthabende Arzt hatte ihren Tod bestätigt und die Pfleger ihren Leichnam hergerichtet, während ich draußen warten musste. 

Ich stand im Gang und war den hin und her eilenden Pflegern anscheinend auch dort im Weg. Sie schickten mich weg, in den Aufenthaltsraum. 

Das war schlimmer als Mutterns Sterben. Diesen fensterlosen Raum mit der Scheibe zum Gang, dem tristen Tischchen und den blauen Plastikstühlen werde ich wohl nie mehr los. Abgestandener kalter Rauch und die trübe Nachtbeleuchtung vom Gang ließen ihn noch trostloser erscheinen als er sowieso schon war. Draußen war es noch dunkel,  die schönen alten Bäume mit ihrem bunten Herbstlaub waren allenfalls zu ahnen. 

Die Pfleger waren mit ihrer Arbeit fertig und ich konnte zurück ins Zimmer. Seufzend griff ich zum Telefon. Jetzt musste ich Vatern anrufen. 

Es bimmelte und bimmelte. Hatten Vatern und mein Halbbruder so einen festen Schlaf? 

Na endlich: “Kippmann!”, schnarrte es im Hörer. 

“Papa, Mutter ist tot …”  Weiter kam ich nicht. 

“Wegen solch einer Nichtigkeit wagst du es, meine Nachtruhe zu stören? Was fällt dir eigentlich ein? Ich werde dich ... usw. usw.” 

“So, und jetzt gib mir Liesel, die ist bestimmt nicht davon begeistert, wie du dich hier aufführst!” 

“Papa, Mutter kann dich nicht mehr hören. Sie ist tot …” 

“Lass gefälligst diese makabren Scherze! Ich weiß genau, dass sie bald aus dem Krankenhaus entlassen wird!”  Damit pfefferte er den Hörer auf die Gabel. 

Und ich konnte noch bis fast 9 Uhr warten. Die Herren Kippmann geruhten nämlich zuvor in aller Seelenruhe zu frühstücken. 

Ich suchte derweil  Mutterns Sachen zusammen, das meiste stopfte ich gleich in einen großen Müllsack. 

Dann hatte ich noch sehr lange Zeit, Mutterns selbst im Tod noch zerquältes Gesicht anzuschauen. Sie durfte nicht einmal mehr selber mit ihrem Arzt sprechen. Vatern kontrollierte alles. 

Dass sie Krebs hatte, stritt er bis zuletzt einfach ab, obwohl sie schon 1980 die erste Krebsoperation hatte.  Auch nahm er ihre Schmerzmittel weg und traktierte sie stattdessen mit riesigen Magneten. Damals kamen gerade Magnetmatten und Magnetfeldtherapie in Mode. Richtig angewandt, durchaus heilsam. 
Weil Magnetfeldtherapie den Zellstoffwechsel anregt. 

Bei Entzündungen ist es nicht zu empfehlen und bei Krebs ist es tödlich. Eben weil das Wachstum der Krebszellen dadurch erst recht angeregt wird. Nun hatte Vatern sich einmal länger mit einem “Mediziner” unterhalten und hielt sich daraufhin selbst für einen halben Arzt.  Also baute er ein riesiges Magnetfeldgerät. Feldstärke und Frequenz? Wen interessierte das schon? Jeden Abend musste Muttern sich damit “behandeln” lassen, obwohl sie jedesmal vor Schmerzen weinte. 

Jetzt hatte sie es überstanden. Ich konnte nicht trauern, zu groß war meine Erleichterung, dass sie endlich von diesem Leiden erlöst war. 

Stunden später tauchte der Rest meiner bescheuerten deutschen Sippe auf, und ich konnte meinen Platz an Mutterns Seite räumen.
Vatern und “Bruderherz” standen länger vor Mutterns Bett. 

“Und wer kocht jetzt mein Essen?”, war das erste, was Vatern danach einfiel. 

“Und deine halb elf und halb fünf - Carokaffees …” rutschte es mir heraus.  

Quelle:  Vaterns Federbett und ein Cafébesuch: "Haben die nicht mal Carokaffee! Was ist das für ein erbärmlicher Laden! Fahr mich sofort nach Haus und koch mir Kaffee! Das ist ein Befehl!" - Entschuldigend lächelte ich die wartende Serviererin an. "Nach Detmold oder nach Mögersbronn", fragte ich mit Samtpfötchenstimme, bei der die Krallen nur ganz wenig herausschauen. - "Nach Detmold natürlich, damit ich pünktlich meinen Caro-Kaffee bekomme, und nicht so ein fremdländisches Zeug!" 

“Was glaubst du wohl, was eine Köchin und eine Putzfrau im Monat kosten!”, schnappte Vatern zurück. War das wirklich alles, was ihm nach 45 Ehejahren einfiel? 

Dass ich trotz der vorherigen Nachtwachen alles weitere organisieren musste, war klar. 

Die freundliche Dame vom Pivitsheider Beerdigungsinstitut kam noch am selben Abend vorbei. Sie hatte Muttern gut gekannt, weil die mit ihrer Mutter zusammen zur Schule gegangen war. 

Frau R. legte mir die Mappen mit den Särgen und der Sargwäsche hin, damit ich schon  einen ersten Überblick bekam. 

“Sie haben doch diese Sterbeversicherung abgeschlossen, die deckt alle Kosten ab”, versuchte Frau R. Vatern zu beruhigen. Man sah ihm mehr als deutlich an, dass er schon die Kosten für diesen nicht eingeplanten Zwischenfall zusammenaddierte. 

“Nein, natürlich nicht! Ich habe diesen Unsinn gleich gekündigt, sonst hatten wir ja jeden Monat dafür zahlen müssen!” 

Ich wurde indessen fündig: “Schau mal Papa, das hier ist doch ein schöner Sarg. Nicht so schlicht, aber auch nicht zu schwülstig …” 

Frau R. nickte bestätigend, aber Vatern riss mir mit seinem typischen “HACHCHCH!” den Katalog weg. “Du vergisst anscheinend, dass sie verbrannt werden soll”,  fauchte er und blätterte im Katalog. “Wir nehmen diesen hier”, und zeigte auf ein Futteral in metallisch-blauer Farbe.  Mir wurde es schwül. Vatern konnte Muttern doch nicht in einem Brillenetui zur letzten Ruhe betten. Das hatte sie wirklich nicht verdient. 

Hier griff Frau R. ein. “Wie sie schon sagten, Herr Kippmann, soll Ihre Frau verbrannt werden. 

"Und dies hier ist ein Designer-Sarg, der etwa 8000 DM mehr kostet als der von Ihrer Tochter vorgeschlagene Sarg. An Ihrer Stelle würde ich mir das noch einmal überlegen.” 

Vatern rotierte. Da hatte er Geld sparen wollen, und dann so etwas. 

“Na gut, du bekommst deinen Willen, wir nehmen doch den Holzsarg. Sonst quengelst du mir nur wieder die Ohren voll.” Damit gab er Frau R. die Mappen zurück. Ich protestierte. 

Frau R. gab taktvoll vor, sich mit ihren Unterlagen zu beschäftigen, während ich Vatern zu überzeugen suchte, dass in einen Sarg auch ein Kissen und eine Decke gehören. 

Ich zog den Katalog wieder her und suchte dezente Sargwäsche heraus. Ich glaubte zu wissen, dass Muttern überladene Spitzenkissen und -decken nicht gefallen hätten. 

“Muss das wirklich sein?”, meckerte Vatern.  “Willst Du Mutter vielleicht auf alte Zeitungen legen? Womöglich nackt, um das Leichenhemd zu sparen?”, schnappte ich zurück. 

“Vielleicht suchen Sie etwas heraus, was Ihre Mutter gern getragen hat. Das machen viele so”, half Frau R. mir aus der Klemme. Sie unterhielt sich mit Vatern, um ihn wenigstens etwas zu beruhigen. 

Ich musste nämlich noch die Todesanzeige formulieren. Dazu fiel Vatern rein gar nichts ein, mein “lieber” Halbbruder glänzte durch Abwesenheit. Er war mit seinen alten Saufkumpanen unterwegs. 

Ich rief den Bär in Bayern an, mein Kopf war völlig leer. Mit seiner und Frau R.s Hilfe gelang auch die Anzeige, und sie verabschiedete sich. Mutterns Kleidung wollte sie am nächsten Morgen holen. 

Zum Glück erinnerte ich mich, was Muttern oft im Sommer getragen hatte. So suchte ich - unter Vaterns Protest ihren weiten bunten Sommerrock eine hübsche weiße Bluse, weiße Socken und ganz neue, noch nie getragene Unterwäsche zusammen. 

Da wurde Vatern wild. “Was soll das? Die Sachen sind ja noch ganz neu! Die kommen nicht ins Grab!” Damit griff er in den Schrank und holte einen alten, ausgeleierten gelblichen Schlüpfer und ein museumsreifes Unterhemd hervor. 

“Da, das kriegt sie an, verstanden?” 

Nein, das verstand ich nicht - mir platzte der Kragen: “Du erstickst noch mal an deinem Geiz! Wenn du stirbst, willst du dann in einen schwarzen Müllsack gewickelt werden? Und statt Sarg klebt man dir vier Plastikgriffe an? Damit die Beerdigung schön billig wird?” 

“Nein, ich werde selbstverständlich ein mir angemessenes, militärisch ehrenvolles  Begräbnis erhalten. Dabei werde ich natürlich SS-Uniform tragen! Verstanden? Wegtreten!” 

“Ach, und noch etwas”, pfiff Vatern mich zurück, “dir ist ja wohl klar, dass ich der Alleinerbe bin! Du hast hier gar nichts zu sagen! Sei froh, dass ich dich in meinem Haus kostenfrei übernachten lasse!” 

Oje! Was denn nun noch? Stellt er mir jetzt die Abnutzung der Bettwäsche noch in Rechnung? Oder gar den verbrauchten Strom?
An was dachte dieser alte Mann, außer an Geld? Wieso zeigte er  keine Trauer? Was war denn an Mutterns Sparbüchern so wichtig, dass er, kaum vom Krankenhaus zurück, sich gleich zur Sparkasse kutschieren liess, um ihre Ersparnisse zu sichten? Soviel ich weiss, müssen Beerdigungen doch nicht bar im Voraus bezahlt werden. 

Hatte er Muttern überhaupt geliebt? Überall jammerte er den Leuten die Ohren voll, wie schlecht es ihm nun ginge und er jetzt ganz allein wäre. Seine langjährige Pivitsheider Freundin, die kurz darauf bei ihm einzog, erwähnte er dabei nicht. Er wollte überall bedauert und getröstet werden, am besten mit einem großen Stück Torte und gutem Bohnenkaffee. 

Hatte er Muttern nur als billige Putz-und Kochfrau geheiratet? Oder ihr Vermögen in Häusern und den zwei Hektar Bauland? 

Das werde ich wohl nie erfahren. 

Jedenfalls bin ich dann, um seinen Strom und seine Lebensmittel zu sparen, zum Plantageneck zur Pommesbude gelaufen, um endlich etwas in den Bauch zu bekommen. Wenn Vatern warm essen wollte, musste er sich halt selber etwas kochen.  

Auf meinen Halbbruder Wotan brauchte ich auch keine Rücksicht nehmen, Der gute Junge war mit einem prall gefüllten Geldumschlag zurück nach Miami geflogen, “leider” konnte er nicht bis zur Aussegnung warten, wegen dringender Geschäfte in Schraubentütchen. 


Quelle: Mutterns Küchengerät rettet internationale Firma: Mein Halbbruder Wotan hat in Florida eine Firma, die deutsche Schrauben, Muttern etc. für deutsche Autos verkauft. Wer im Internet bei "overatlantic" nachschaut, wird unter anderem lesen: Jahreseinkommen 2,5 bis 9 millionen US-Dollar, 5 bis 9 Mitarbeiter.  Ein florierendes Unternehmen also. Dann lud Wotan unseren Vater nach Miami ein. Mein alter Herr verschwand also nach Florida. 

Vatern selbst tätigte vor lauter Trauer noch am Morgen von Mutterns Aussegnung mehrere Landverkäufe. 

Fürwahr, das ist auch eine Art, um nahe Angehörige zu trauern ... 


Veröffentlicht am 23.12.2013 von lucy fer

Übernommen von OverBlog

Montag, 23. Dezember 2013

WEIHNACHTEN: Du gönnst mir aber auch gar nichts!

Frieden im Himmel und auf Erden? Im Himmel? Keine Ahnung, da war ich noch nicht. Und auf Erden? Wenn es anderswo auch so zuging wie bei meinen “Eltern”, wäre “Angriff!” oder “Klar zum Gefecht” passender. 

Das fing schon einige Tage vor den Feiertagen an. Da fiel es Muttern ein, das ganze Haus richtig auf Hochglanz zu bringen. Eigentlich nicht nötig, bei uns hätte man durchaus  kleinere Notoperationen auf dem Wohnzimmertisch durchführen können. Tiere, Staub oder gar Bazillen hatten strengstes Hausverbot! 

Trotzdem: “Ach du meine Güte! Weihnachten! Und das Haus ist noch nicht geputzt!” Das war Mutterns alljährlicher Schreckensschrei. 

Komisch. Kommt Weihnachten denn immer so plötzlich? Eigentlich sollte sie es doch langsam wissen. Dann kam das große Räumen. Alles musste von außen, innen und dahinter porentief rein gewienert sein. Bei anderen Leuten roch es nach Tannen und Weihnachtsgebäck, bei uns nach Staubsauger und Putzmittel … 

War die Putzwut erst einmal ausgebrochen, gab es kein Halten mehr. So tobte der Wirbelsturm auch durch meine sparsam möblierte “Kinderabstellkammer”. Wie sonst auch immer kippte Muttern meine Schreibtischschubladen mit Schwung auf den Boden. Gerade wollte sie über mein Chaos loszetern - da wurden ihre Augen starr. Was hatte sie nur so erschreckt? Eine Blindschleiche war keine drin, aber was dann? 

“Was ist das hier? Woher hast du das? Sag sofort, wer dir das gegeben hat! - Adolf! Adolf! Komm schnell! Deine missratene Tochter hat sich Geschenke erbettelt! Tu doch was!” 

Mir blieb der Mund offen stehen. Was Muttern mir anklagend entgegen streckte, waren Weihnachtsgeschenke. 

Eigentlich hätte sie doch das Jahrzehnte alte Geschenkpapier aus unserer Weihnachtskiste erkennen müssen. Seit ich in Deutschland war, hatten meine “Eltern” nicht einmal Geschenkpapier gekauft. Das Papier vom Vorjahr wurde sorgsam geglättet und Tesafilmschnipsel abgepuhlt. 

Das rote Papier mit den aufgedruckten Schaukelpferdchen und Lebkuchen  und das dunkelgrüne mit den Strohsternen  gehörte doch schon ewig zur Familie. 

Jetzt nicht mehr. Unter Mutterns wütend reißenden Fingern hauchte es sein langes Leben aus. 

“Das hier nehme ich mit! Schäm dich! Was sollen denn die Leute sagen?” 

Damit rauschte sie davon, samt Weinbrandbohnen (für Muttern), Riesenmarzipanbrot (für Vatern), Gewürzseife (für Mutterns Schwester) und der Riesennussschokolade (für Halbbruder Wotan). 

Sachen, Sachen ihr entschwandet - und kein Geld für neue Weihnachtsgeschenke. Mit damals monatlich fünf Mark (nicht Euro!) Taschengeld konnte ich keine großen Sprünge machen. 

Dann kam der so genannte Heiligabend. Und damit die “ schöne Bescherung”. 

“Hast du es nicht einmal für nötig befunden, uns eine Kleinigkeit zu schenken!?” krähte Vatern anklagend und nahm mir mein noch nicht ausgewickeltes Päckchen gleich wieder weg. 

“Uffta, Glück gehabt”, dachte ich und sah den anderen beim Auspacken ihrer Geschenke zu. 

Ich hatte ein mittelschweres Strafgericht befürchtet. 

Dann bekam ich fast Stielaugen: Muttern hatte einen Fotoapparat von Vatern bekommen! Der sah genau so aus wie meiner, den mir Vatern letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte. 

Das gute Stück war sehr billig verkauft worden, weil ein LED nicht funktionierte. Wenn Belichtung usw. richtig eingestellt war, leuchtete es grün und man konnte knipsen. 

Ich hatte meinen Fotoapparat freudestrahlend ausprobiert und lauter nachtschwarze Fotos geschossen. Da hatte ich den Knipskasten enttäuscht in mein Regal gelegt und nicht mehr benutzt. 

Nun hatte Muttern offenbar den gleichen bekommen. Auch bei diesem funktionierte das bewusste LED nicht. Ahnungsvoll rannte ich nach oben in mein Zimmer, um nach meinem Fotoapparat zu schauen. 

Der war nicht mehr da … 

Zurück im Wohnzimmer fragte ich: “Papa, mein Fotoapparat ist weg, ist das da meiner?” 

Vatern blies sich auf: “Natürlich ist das deiner, aber jetzt gehört er Mutter! Du hast ihn ja nie benutzt!” 

“Aber - du kannst doch nicht einfach meine Sachen verschenken, der gehört immer noch mir!” 

Theatralisch schluchzend unterbrach Muttern mein Schimpfen:
“Du gönnst mir aber auch gar nichts!” 

Na dann: Frohe Weihnachten! 


Hochgeladen am 24.12.2009 von Gerhard Magerkurth

Übernommen von Over-Blog

Freitag, 23. November 2012

Vatern erzählt: Warum Rudolf Heß nach Schottland flog - Blog vonm Kiat Gorina


Da suchte ich etwas in einer Truhe - und was fand ich? Eine Tonbandkassette. Früher hatte ich viele Lieder vom Radio aufgenommen - da wollte ich sehen, was es diesmal war. Nur ich hörte keine Musik, kein Lied, sondern die Stimme meines Vaters. Da erinnerte ich mich:

Als seine Frau gestorben war, da nahm ich ihn einige Wochen zu mir nach Bayern - er sollte auf andere Gedanken kommen. Eines Abends hatte mein Bär eine Dokumentation über die Rakete V2 gefunden. Diese Waffe wurde ja einst in Peenemünde entwickelt und gebaut. Und mein Vater war dabei.

Also setzten wir meinen Vater in den Schaukelstuhl und schoben die Video-CD in den DVD-Spieler. Und mein Vater war gleich aus dem Häuschen - immer wieder mussten wir den Film unterbrechen und er erzählte und erzählte. 

Da wude auch berichtet, dass eine Versuchsrakete im polnischen Gebiet abgestürzt war und die deutschen Soldaten nach dem "Ofen" - dem Antriebsaggregat suchen mussten. Und immer wieder rief mein Vater: "Ich war dabei! Ich war dabei!"

Aber sie hatten den Ofen nicht gefunden. In der Dokumentation wurde berichtet, dass Polen den Ofen gefunden und den britischen Geheimdienst verständigt hattten, Die Briten sorgten dann dafür, dass der Ofen nach England gebracht wurde ...

Als das mein Vater hörte, fing er an zu bruddeln und schimpfte über die Polen und die Engländer - die Inselaffen, wie er sie nannte. 

Was er so von sich gab, wurde immer interessanter. Mein Bär schloss heimlich ein Mikrofon an und nahm das Gebruddel auf Kassette auf. Und ein Jahrzehnt später hörte ich seine Ergüsse wieder. 

Da ging es auch um Rudolf Hess, Hitlers Stellvertreter. Mein Bär fragte meinen Vater, wieso Hess naxh Schottland geflogen war. Vatern: "Da ging es um Barbarossa!"

"Also, den geplanten Feldzug gegen Russland?"

"Ja, Hess wollte die Engländer überzeugen, dass es besser für das Empire sei, sich aus dem Krieg zurückzuziehen!

"Rudolf flog selbst den Nachtjäger Messerschmidt Bf 110 und er hatte sich einen ganz besonderen Tag ausgesucht, den 10. Mai 1941. Da war Vollmond! Wisst ihr, was da noch besonders war?"

Wir schüttelten die Köpfe.

"Da standen Merkur, Venus, Jupiter, Saturn und Uranus in einer Reihe mit der Sonne! Das war ein besonders starker Tag. Rudolf hatte auch viele Schutzamulette angefertigt und mitgenommen. Er war noch nie mit einem Fallschirm abgesprungen. Er hatte Glück!"

Mein Bär brummte: "Als Glück möchte ich das nicht bezeichnen - die Briten nahmen ihn gefangen."

"Ja, aber er hat nichts verraten!"

"Wusste eigentlich Hitler davon?" fagte ich.

"Nein, zwei Adjutanten von Hess brachten ein Brief dem Führer zum Berghof. Der Führer war außer sich vor Wut und ließ die beiden Adjutanten gleich verhaften und in ein Konzentrationslager bringen."

"Wieso? Die Adjutanten konnten doch nichts dafür, was ihr Chef anstellt?"

"Doch sie hätten Hess von dem Flug abhalten müssen - notfalls mit der Waffe! Außerdem hat der Führer immer recht!"

"Und haben die Engländer etwas von Hess erfahren?"

Mein Vater schüttelte den Kopf: "Nein, Rudolf war im Kern doch ein echter Deutscher und hat nichts verraten!"

Eine andere Version über die Hintergründe des Fluges von Rudof Heß fand ich in einem alten SPIEGEL:

Quelle: DER SPIEGEL RUDOLF HESS - Befehl von Wotan (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46172472.html)

Jedenfalls werde ich diese Kassette aufheben und sie digitalisieren. Bevor die Kassette sich verheddert ...


Hochgeladen von ODESSAe am 30.07.2009


Veröffentlicht am 15.11.2012 von DerDoKumentator

besucherzhler

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Eine Bombe als Weihnachtsgeschenk? - Blog von Kiat Gorina


Heute kamen mir die ersten Prospekte voller "Geschenkideen zu Weihnachten" ins Haus geflattert. Und ich dachte mit leisem Schaudern an die Weihnachtsabende bei meinen "Eltern" zurück: Just the same procedure as every year. 

Jedes Jahr durfte ich mir als Geschenk etwas für zwanzig DM (also zehn Euro) aus dem Quelle-Katalog aussuchen. Und ich wollte gern eine Schreibtischlampe haben. In meinem winzigen Zimmer stand der Schreibtisch an der Wand, die Deckenlampe hatte ich im Rücken. Da blieb des Öfteren die Erleuchtung bei mir aus. 

Licht musste her, aber wie? Ha, das könnte gehen. Ich entführte die große Stehlampe. Mitten unter deren riesigen Lampenschirm pflegte Vatern zu thronen, wenn er im Hobbyraum "residierte". 

Der Schirm schwebte wie ein übergroßer Heiligenschein über Vaterns Haupte, das Licht ergoß sich so rund um seine hochwerte Person. 

Ich hatte gerade erst mit den Hausaufgaben angefangen, da wurde die Lampe zurück erobert.  Im Dunkeln konnte ich schlecht lernen. Und wenn ich im Winter von der Schule kam, war es duster. 

So, was jetzt? Dann musste ich halt den Schreibtisch unter die Deckenlampe ziehen, wenn das die Enge in meiner Bude zuließ. Da drin konnte ich auch nur eine Tür meines Kleiderschranks weit öffnen, vor der anderen Tür stand das Bett. Wenn ich nun den Schreibtisch unter die Lampe ziehe, geht die Zimmertür nicht mehr auf. Egal, irgendwie musste das gehen. Zu der Zeit war ich noch so ein dürrer Hungerhaken, der sich durch die schmalsten Spalten zwängen konnte. 

Also los. Dieser schwere klobige Eka-Schreibtisch hatte nur einen  Fehler. Seine dünnen Beine waren nicht angeschraubt. Die beiden Beinpaare lagen nur in Kerben, um nicht zu verrutschen. Zog man am Schreibtisch, klappten die Beine weg und der Tisch samt seinen Schubladen sackte mit lautem Gepolter zu Boden. 

So auch diesmal. Das laute "Romms" dröhnte durch das ganze Haus. Auch von unten "dröhnte" es los: "Was fällt dir ein! So einen Krach zu machen? Du benimmst dich wieder unmöglich! Außer Randalieren hast du ja bei deinen Hottentotten (sie meinten damit die Mongolen!) nichts gelernt! Mach sofort die Tür auf! Ich befehle es dir!" 

Immer wieder warf Vatern sich voller Wut gegen die Tür. Die ging aber nicht auf. Konnte sie auch nicht. Der Schreibtisch war fest zwischen Bett und Zimmertür eingekeilt. Dazwischen klemmten die Reste meines Stuhles, der bei Vaterns Attacke sein Leben aushauchte. Er war zwischen die "Fronten geraten". Der Stuhl war nicht das einzige Opfer von Vaterns Raserei. Die Zimmertür bekam einen Sprung, Vatern eine Schulterprellung, die Schreibtischbeine waren nicht mehr zu gebrauchen. Und ich bekam wie schon so oft Vaterns Hausschuhe um die Ohren geschlagen, als ich endlich meine Trümmerstätte verlassen konnte. 

Meine Hausaufgaben erledigte ich fürderhin im Schneidersitz. Irgendwie vermisste ich die Schreibtischbeine und den Stuhl ... 

Ja, und dann kam Weihnachten und damit hoffentlich meine lang ersehnte Schreibtischlampe. 

Heiligabend: nach dem Anhören der Weihnachts-Schallplatte, auf denen Vatern seine Lieblingsstellen offenbar angekreuzt hatte, gab es Geschenke. 

Mein Halbbruder Wotan strahlte: er hatte seine heiß ersehnte 750-er BMW (schweres Motorrad) und eine neue Motorradjacke bekommen. 

Ich strahlte auch: gleich würde ich meine dringend benötigte Schreibtischlampe bekommen! 

Nanu, irgendwie fühlte sich dieses Geschenk so gar nicht wie eine Lampe an. War es auch nicht. Was da aus dem schon mehrfach verwendeten Geschenkpapier zum Vorschein kam, war ein kleines uraltes Röhrenradio. Mit dem Ding konnte man immerhin Kurzwelle und Mittelwelle empfangen. 

Ich war am Boden zerstört, ich brauchte kein Radio, sondern dringend eine Lampe! 

Und wie ich meine "Eltern" inzwischen kannte, folgte noch eine kalte Dusche. Schon ging es los: "Eigentlich hast du so etwas Schönes gar nicht verdient! Aber wir wollen nicht, dass du uns wieder so vor anderen Leuten blamierst!" Das war meine "Mutter. Ihr "Was sollen denn die Leute sagen!" wuchs sich langsam von einer leichten Macke zu einer Riesenmeise oder schon zu einem Schwan aus. 

Es ging noch weiter, weil ich mich an meine neueste "Untat" nicht erinnerte. "Deinen Freundinnen zu erzählen, du hättest kein Radio und keine Schallplatten! Was sollen denn die Leute sagen! Da im Schrank, Radio, Plattenspieler, Platten, alle da! Du lügst, wenn du nur den Mund aufmachst!" 

Eben jener, der Mund nämlich, blieb mir offen stehen. "Muttern" selbst hatte mir strengstens verboten, das Wohnzimmer zu betreten. Nur an hohen Feiertagen, wie Weihnachten oder Ostern durfte ich in dieses "heilige Gemach". 

Jetzt fiel mir auch meine Untat wieder ein: Freundinnen hatte ich zur Schulzeit keine. Und diese beiden Klassenkameradinnen kamen wahrscheinlich aus purer Neugier oder Bosheit vorbei. "Ey, komm, wir wollen mal deine neuesten Platten hören. Abba, Boney M., zeig mal,was du so hast." 

Ich war mir klar darüber, dass sie mich nur auf den Arm nahmen. Ich war doch nur der Klassenidiot, die Lachnummer. 

Kein Wunder, ich war neu in der Klasse und sah dazu aus, wie  ein tragischer Clown. 
Weil ich aus der Lubjanka keine Kleidung mitgebracht hatte, staffierte Muttern mich  aus, aber nach ihrem Geschmack. Das hieß: kackbraune Oma-Wollhosen, deren Gummizug unter den Armen kniff. Kakelige großgeblümte Blusen, Häkelpullis mit Spitzenkragen ... 

Mir graust es heute noch, wenn ich an die Sachen denke. Das war 1978. Da gab es knallenge Jeans, Hippie-, Armee- oder Rockerkluft, aber eben keine Oma-Kluft. Und mit offiziell 17 Jahren so herumzulaufen, kam einem Todesurteil gleich. Dass ich weder Radio noch Cassettenrecorder oder gar Platten besitzen konnte, war den Mädchen klar. 

" ... hatte Oma-Detmold noch auf dem Dachboden. Ich habe es ausprobiert, es ist bestens in Schuss", durchdrang Vaterns Stimme diesen Nebel aus scheußlichen Erinnerungen. 

Na, dann. Ich klemmte mir das Radio unter den Arm und verzog mich in mein Zimmer. Eine ganze Serie atmosphärischer Störgeräusche konnte ich dem Kasten schon mal entlocken, vielleicht bekam ich ja noch einen brauchbaren Sender herein? 

Von wegen! Es gab einen mordsmäßigen Puff, ich saß im Dustern und ein verbrannt-staubiger Geruch machte sich breit. Eine Staubexplosion! In dem uralten Gehäuse musste sich der Staub von Jahrzehnten angesammelt haben. Und wenn der heiß wird ... 

Im Wohnzimmer hörte ich den Rest der Sippe zetern, dann wurde es wieder hell. Und ich schlappte ins Badezimmer. Irgendwie fühlte ich mich paniert. Ich sah in den Spiegel: genau wie Onkel Nolte (Wilhelm Busch) nach der Explosion seiner Tabakspfeife. 

Mein Zimmer sah auch lieblich aus. Überall klebte diese graue fettige Staubasche aus dem Radio. 

Den Rest der Weihnachtstage war ich damit beschäftigt, das Zimmer wieder sauber zu bekommen.



Hochgeladen von MrLorco am 23.08.2011


Samstag, 21. Juli 2012

Mutterns Küchengerät rettet internationale Firma - Blog von Kiat Gorina


Was? Wie denn das? Nein, das ist keine Ente, sondern wirklich passiert:
Mein Halbbruder Wotan hat in Florida eine Firma, die deutsche Schrauben, Muttern etc. für deutsche Autos verkauft. Wer im Internet bei "overatlantic" nachschaut, wird unter anderem lesen:
Jahreseinkommen 2,5 bis 9 millionen US-Dollar, 5 bis 9 Mitarbeiter. 
Ein florierendes Unternehmen also. 
Dann lud Wotan unseren Vater nach Miami ein. Mein alter Herr verschwand also nach Florida.  
Nun bekam Muttern wie jedes Jahr Forellen geschenkt, weil der Pivitsheider Forellenhof ein großes Werbeschild in ihren Garten gesetzt hatte.
So, wohin mit den Fischen? Tot und ausgenommen waren sie schon, also einfrieren. Muttern zückte die Gefriertüten, tütete die glitschigen Gesellen ein und ... jetzt wusste sie endlich, was in der Küche fehlte! Die ganze Zeit hatte sie sich schon gewundert. Irgendwas sah anders aus als sonst. Aber was? Aha! Nun war alles klar! 
Das Tütenschweißgerät fehlte. Wo konnte das gute Stück nur sein? Alles Suchen half nichts. Das Ding blieb verschollen. So rief sie bei mir an: "Weißt du zufällig, wo mein Tütenschweißgerät steckt? Immer stand es auf dem Büffet, und jetzt, wo ich es brauche, kann ich es nirgends finden."
Ich überlegte. "Hast du schon bei Papa in der Werkstatt geschaut? Der kann doch alles brauchen. Vielleicht hat er es weggetragen." 


"Meinst du?" Muttern klang verzagt, "da gehe ich gar nicht gerne rein. Weißt du noch, was mir beim letzten Mal passiert ist?"


Stimmt, da hatte Muttern sich eine derbe Platzwunde am Kopf geholt. Weil einer von Papas babylonischen Gerümpeltürmen eingestürzt war.


"Dann setzt du eben diesen alten Wehrmachtshelm auf, der neben der Tür hängt. Außerdem, das Teil ist doch knallig orange, wenn ich mich richtig erinnere? Das müsstest du auf einen Blick entdecken ..."


So weit reichte Mutterns Mut denn doch nicht. Dafür aß sie mehrere Tage nacheinander immer nur Forelle. Wo aber war das Tütenschweißgerät abgeblieben?


Das Rätsel löste sich kurz darauf. Mein Vater rief aus Florida an, er platzte fast vor Stolz: "Wotan hat so viel zu tun, das Geschäft floriert! Er ist eben doch ein richtig erfolgreicher Geschäftsmann!" Ach ja, diesen Lobgesang auf meinen Halbbruder kannte ich schon auswendig.


" ... greife ich ihm kräftig unter die Arme! Sonst kommt er mit der Auslieferung der bestellten Waren nicht mehr nach!  Wir schicken dir mit dem Computer ein Bild, da kannst du mit eigenen Augen sehen, wie erfolgreich Wotan ist!"


Später kam die angekündigte Mail mit dem angehängten Bild. Ah ja, genau so hatte ich mir eine Firma mit fünf Millionen Dollar Jahresumstz vorgestellt: da saß Vatern offenbar am Tisch in einer Küche, neben sich einen Haufen kleiner Tütchen mit Schrauben. 


Und vor ihm stand - Mutterns lang vermisstes Folienschweißgerät!
Na, dann wird es wohl nicht mehr lange dauern, dann macht er zehn Millionen Umsatz im Jahr, bei so einer "hochtechnologischen"  Firmenausstattung.


Hochgeladen von TheXxMatzexX am 17.07.2009


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