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Samstag, 28. Dezember 2013

Vaterns Geiz machte auch vorm Tod nicht halt

Fotomontage von Denise R.
Freitag, 2. November 2001, 5 Uhr dreißig. Meine achte Nachtwache in Krankenhaus bei meiner sterbenden Stiefmutter. Zwei Stunden zuvor war sie gestorben, der diensthabende Arzt hatte ihren Tod bestätigt und die Pfleger ihren Leichnam hergerichtet, während ich draußen warten musste. 

Ich stand im Gang und war den hin und her eilenden Pflegern anscheinend auch dort im Weg. Sie schickten mich weg, in den Aufenthaltsraum. 

Das war schlimmer als Mutterns Sterben. Diesen fensterlosen Raum mit der Scheibe zum Gang, dem tristen Tischchen und den blauen Plastikstühlen werde ich wohl nie mehr los. Abgestandener kalter Rauch und die trübe Nachtbeleuchtung vom Gang ließen ihn noch trostloser erscheinen als er sowieso schon war. Draußen war es noch dunkel,  die schönen alten Bäume mit ihrem bunten Herbstlaub waren allenfalls zu ahnen. 

Die Pfleger waren mit ihrer Arbeit fertig und ich konnte zurück ins Zimmer. Seufzend griff ich zum Telefon. Jetzt musste ich Vatern anrufen. 

Es bimmelte und bimmelte. Hatten Vatern und mein Halbbruder so einen festen Schlaf? 

Na endlich: “Kippmann!”, schnarrte es im Hörer. 

“Papa, Mutter ist tot …”  Weiter kam ich nicht. 

“Wegen solch einer Nichtigkeit wagst du es, meine Nachtruhe zu stören? Was fällt dir eigentlich ein? Ich werde dich ... usw. usw.” 

“So, und jetzt gib mir Liesel, die ist bestimmt nicht davon begeistert, wie du dich hier aufführst!” 

“Papa, Mutter kann dich nicht mehr hören. Sie ist tot …” 

“Lass gefälligst diese makabren Scherze! Ich weiß genau, dass sie bald aus dem Krankenhaus entlassen wird!”  Damit pfefferte er den Hörer auf die Gabel. 

Und ich konnte noch bis fast 9 Uhr warten. Die Herren Kippmann geruhten nämlich zuvor in aller Seelenruhe zu frühstücken. 

Ich suchte derweil  Mutterns Sachen zusammen, das meiste stopfte ich gleich in einen großen Müllsack. 

Dann hatte ich noch sehr lange Zeit, Mutterns selbst im Tod noch zerquältes Gesicht anzuschauen. Sie durfte nicht einmal mehr selber mit ihrem Arzt sprechen. Vatern kontrollierte alles. 

Dass sie Krebs hatte, stritt er bis zuletzt einfach ab, obwohl sie schon 1980 die erste Krebsoperation hatte.  Auch nahm er ihre Schmerzmittel weg und traktierte sie stattdessen mit riesigen Magneten. Damals kamen gerade Magnetmatten und Magnetfeldtherapie in Mode. Richtig angewandt, durchaus heilsam. 
Weil Magnetfeldtherapie den Zellstoffwechsel anregt. 

Bei Entzündungen ist es nicht zu empfehlen und bei Krebs ist es tödlich. Eben weil das Wachstum der Krebszellen dadurch erst recht angeregt wird. Nun hatte Vatern sich einmal länger mit einem “Mediziner” unterhalten und hielt sich daraufhin selbst für einen halben Arzt.  Also baute er ein riesiges Magnetfeldgerät. Feldstärke und Frequenz? Wen interessierte das schon? Jeden Abend musste Muttern sich damit “behandeln” lassen, obwohl sie jedesmal vor Schmerzen weinte. 

Jetzt hatte sie es überstanden. Ich konnte nicht trauern, zu groß war meine Erleichterung, dass sie endlich von diesem Leiden erlöst war. 

Stunden später tauchte der Rest meiner bescheuerten deutschen Sippe auf, und ich konnte meinen Platz an Mutterns Seite räumen.
Vatern und “Bruderherz” standen länger vor Mutterns Bett. 

“Und wer kocht jetzt mein Essen?”, war das erste, was Vatern danach einfiel. 

“Und deine halb elf und halb fünf - Carokaffees …” rutschte es mir heraus.  

Quelle:  Vaterns Federbett und ein Cafébesuch: "Haben die nicht mal Carokaffee! Was ist das für ein erbärmlicher Laden! Fahr mich sofort nach Haus und koch mir Kaffee! Das ist ein Befehl!" - Entschuldigend lächelte ich die wartende Serviererin an. "Nach Detmold oder nach Mögersbronn", fragte ich mit Samtpfötchenstimme, bei der die Krallen nur ganz wenig herausschauen. - "Nach Detmold natürlich, damit ich pünktlich meinen Caro-Kaffee bekomme, und nicht so ein fremdländisches Zeug!" 

“Was glaubst du wohl, was eine Köchin und eine Putzfrau im Monat kosten!”, schnappte Vatern zurück. War das wirklich alles, was ihm nach 45 Ehejahren einfiel? 

Dass ich trotz der vorherigen Nachtwachen alles weitere organisieren musste, war klar. 

Die freundliche Dame vom Pivitsheider Beerdigungsinstitut kam noch am selben Abend vorbei. Sie hatte Muttern gut gekannt, weil die mit ihrer Mutter zusammen zur Schule gegangen war. 

Frau R. legte mir die Mappen mit den Särgen und der Sargwäsche hin, damit ich schon  einen ersten Überblick bekam. 

“Sie haben doch diese Sterbeversicherung abgeschlossen, die deckt alle Kosten ab”, versuchte Frau R. Vatern zu beruhigen. Man sah ihm mehr als deutlich an, dass er schon die Kosten für diesen nicht eingeplanten Zwischenfall zusammenaddierte. 

“Nein, natürlich nicht! Ich habe diesen Unsinn gleich gekündigt, sonst hatten wir ja jeden Monat dafür zahlen müssen!” 

Ich wurde indessen fündig: “Schau mal Papa, das hier ist doch ein schöner Sarg. Nicht so schlicht, aber auch nicht zu schwülstig …” 

Frau R. nickte bestätigend, aber Vatern riss mir mit seinem typischen “HACHCHCH!” den Katalog weg. “Du vergisst anscheinend, dass sie verbrannt werden soll”,  fauchte er und blätterte im Katalog. “Wir nehmen diesen hier”, und zeigte auf ein Futteral in metallisch-blauer Farbe.  Mir wurde es schwül. Vatern konnte Muttern doch nicht in einem Brillenetui zur letzten Ruhe betten. Das hatte sie wirklich nicht verdient. 

Hier griff Frau R. ein. “Wie sie schon sagten, Herr Kippmann, soll Ihre Frau verbrannt werden. 

"Und dies hier ist ein Designer-Sarg, der etwa 8000 DM mehr kostet als der von Ihrer Tochter vorgeschlagene Sarg. An Ihrer Stelle würde ich mir das noch einmal überlegen.” 

Vatern rotierte. Da hatte er Geld sparen wollen, und dann so etwas. 

“Na gut, du bekommst deinen Willen, wir nehmen doch den Holzsarg. Sonst quengelst du mir nur wieder die Ohren voll.” Damit gab er Frau R. die Mappen zurück. Ich protestierte. 

Frau R. gab taktvoll vor, sich mit ihren Unterlagen zu beschäftigen, während ich Vatern zu überzeugen suchte, dass in einen Sarg auch ein Kissen und eine Decke gehören. 

Ich zog den Katalog wieder her und suchte dezente Sargwäsche heraus. Ich glaubte zu wissen, dass Muttern überladene Spitzenkissen und -decken nicht gefallen hätten. 

“Muss das wirklich sein?”, meckerte Vatern.  “Willst Du Mutter vielleicht auf alte Zeitungen legen? Womöglich nackt, um das Leichenhemd zu sparen?”, schnappte ich zurück. 

“Vielleicht suchen Sie etwas heraus, was Ihre Mutter gern getragen hat. Das machen viele so”, half Frau R. mir aus der Klemme. Sie unterhielt sich mit Vatern, um ihn wenigstens etwas zu beruhigen. 

Ich musste nämlich noch die Todesanzeige formulieren. Dazu fiel Vatern rein gar nichts ein, mein “lieber” Halbbruder glänzte durch Abwesenheit. Er war mit seinen alten Saufkumpanen unterwegs. 

Ich rief den Bär in Bayern an, mein Kopf war völlig leer. Mit seiner und Frau R.s Hilfe gelang auch die Anzeige, und sie verabschiedete sich. Mutterns Kleidung wollte sie am nächsten Morgen holen. 

Zum Glück erinnerte ich mich, was Muttern oft im Sommer getragen hatte. So suchte ich - unter Vaterns Protest ihren weiten bunten Sommerrock eine hübsche weiße Bluse, weiße Socken und ganz neue, noch nie getragene Unterwäsche zusammen. 

Da wurde Vatern wild. “Was soll das? Die Sachen sind ja noch ganz neu! Die kommen nicht ins Grab!” Damit griff er in den Schrank und holte einen alten, ausgeleierten gelblichen Schlüpfer und ein museumsreifes Unterhemd hervor. 

“Da, das kriegt sie an, verstanden?” 

Nein, das verstand ich nicht - mir platzte der Kragen: “Du erstickst noch mal an deinem Geiz! Wenn du stirbst, willst du dann in einen schwarzen Müllsack gewickelt werden? Und statt Sarg klebt man dir vier Plastikgriffe an? Damit die Beerdigung schön billig wird?” 

“Nein, ich werde selbstverständlich ein mir angemessenes, militärisch ehrenvolles  Begräbnis erhalten. Dabei werde ich natürlich SS-Uniform tragen! Verstanden? Wegtreten!” 

“Ach, und noch etwas”, pfiff Vatern mich zurück, “dir ist ja wohl klar, dass ich der Alleinerbe bin! Du hast hier gar nichts zu sagen! Sei froh, dass ich dich in meinem Haus kostenfrei übernachten lasse!” 

Oje! Was denn nun noch? Stellt er mir jetzt die Abnutzung der Bettwäsche noch in Rechnung? Oder gar den verbrauchten Strom?
An was dachte dieser alte Mann, außer an Geld? Wieso zeigte er  keine Trauer? Was war denn an Mutterns Sparbüchern so wichtig, dass er, kaum vom Krankenhaus zurück, sich gleich zur Sparkasse kutschieren liess, um ihre Ersparnisse zu sichten? Soviel ich weiss, müssen Beerdigungen doch nicht bar im Voraus bezahlt werden. 

Hatte er Muttern überhaupt geliebt? Überall jammerte er den Leuten die Ohren voll, wie schlecht es ihm nun ginge und er jetzt ganz allein wäre. Seine langjährige Pivitsheider Freundin, die kurz darauf bei ihm einzog, erwähnte er dabei nicht. Er wollte überall bedauert und getröstet werden, am besten mit einem großen Stück Torte und gutem Bohnenkaffee. 

Hatte er Muttern nur als billige Putz-und Kochfrau geheiratet? Oder ihr Vermögen in Häusern und den zwei Hektar Bauland? 

Das werde ich wohl nie erfahren. 

Jedenfalls bin ich dann, um seinen Strom und seine Lebensmittel zu sparen, zum Plantageneck zur Pommesbude gelaufen, um endlich etwas in den Bauch zu bekommen. Wenn Vatern warm essen wollte, musste er sich halt selber etwas kochen.  

Auf meinen Halbbruder Wotan brauchte ich auch keine Rücksicht nehmen, Der gute Junge war mit einem prall gefüllten Geldumschlag zurück nach Miami geflogen, “leider” konnte er nicht bis zur Aussegnung warten, wegen dringender Geschäfte in Schraubentütchen. 


Quelle: Mutterns Küchengerät rettet internationale Firma: Mein Halbbruder Wotan hat in Florida eine Firma, die deutsche Schrauben, Muttern etc. für deutsche Autos verkauft. Wer im Internet bei "overatlantic" nachschaut, wird unter anderem lesen: Jahreseinkommen 2,5 bis 9 millionen US-Dollar, 5 bis 9 Mitarbeiter.  Ein florierendes Unternehmen also. Dann lud Wotan unseren Vater nach Miami ein. Mein alter Herr verschwand also nach Florida. 

Vatern selbst tätigte vor lauter Trauer noch am Morgen von Mutterns Aussegnung mehrere Landverkäufe. 

Fürwahr, das ist auch eine Art, um nahe Angehörige zu trauern ... 


Veröffentlicht am 23.12.2013 von lucy fer

Übernommen von OverBlog

Dienstag, 24. Dezember 2013

FROHE WEIHNACHTEN

Allen 
Leserinnen und Lesern, 
Freunden und Bekannten 
wünsche ich 
Frohe Weihnachten und 
eine friedliche Zeit!



Wer wissen möchte, was ich früher von meiner deutschen "Familie" einmal zu Weihnachten geschenkt bekam, klicke hier Eine Bombe als Weihnachtsgeschenk...


Hochgeladen am 23.12.2007 von ahkunsaajo

Übernommen von OverBlog

Freitag, 23. August 2013

Tageshoroskop und Vorausschau für 24.08.2013 - USA verarmt - Grundeinkommen

Heute, am 24.08.2013 steht der abnehmende Mond im Widder

Mond im Widder, da werden wir zum Energiebündel, wir handeln spontan, dennoch voller Verantwortung. Eine Zeit, passend, um Schwierigkeiten zu überwinden! Dem Widder ist der Kopfbereich zugeordnet. Die entsprechende Tarotkarte ist der Herrscher. Eine Karte, die Autorität, Macht und Weisheit symbolisiert. Glücksorte: Stadien, Fabriken. 

Der Mond ist aufsteigend. Jetzt ist die Zeit, in der wir das "ernten" können, was wir in der vorangegangenen Zeit "gesät" hatten.  

Für die "haarigen" Probleme verweise ich auf einen früheren Artikel

Beim Schreiben dieser Zeilen erschien vor meinem inneren Auge ein Lagerhaus für die Ernte - für mich ein sehr gutes Zeichen.  
Merkur wechselt in die Jungfrau: Jetzt beginnt eine sehr vernünftige zeit für uns.

  • Mond in Opposition zur Venus: warnt uns vor Problemen in unseren Beziehungen!
  • Mond im Quadrat zum Pluto: warnt uns vor Zügellosigkeit!
  • Mond in Konjunktion zum Uranus: verspricht uns romantische Stunden.
  • Mond im Quadrat zum Jupiter: passen wir auf Leber und Galle auf!
  • Venus im Quadrat zum Pluto: warnt uns vor Ausschweifungen!
  • Merkur in Konjunktion zur Sonne: fördert unsere geistigen Projekte.

Der heutige Tag ist günstig für

  • das große Umordnen in einem Projekt
  • Friedhofsbesuche
  • Investitionen
  • den Start vo Projekten
  • Verträge

Der heutige Tag ist weniger günstig für

  • den Kauf von Kleidung

Ich wünsche allen, dass ihr das Beste aus diesem Tag macht! 


Veröffentlicht am 23.08.2013 von Bibbber


Veröffentlicht am 17.08.2013 von BreakingNews

Mittwoch, 21. August 2013

Lotti - die schnappige Schnappschildkröte und das Sommerloch

Die Schotten haben ihr Loch Ness mit dem darin wohnenden Ungeheuer, die Allgäuer in Irsee haben ihren Oggenrieder Weiher mit der Schnappschildkröte Lotti. Sie rettet das alljährliche Sommerloch in der Presse. Und sie stiehlt der Kanzlerin die Schau, wenn sie beabsichtigt, ihre Wahlkampftiraden anzustimmen.

Die schnappige Schildkröte Lotti geistert nun wirklich durch alle Medien, sogar ich bin über das Viech gestolpert. Leicht schmunzelnd las ich über die verschiedenen Versuche, die Schildkröte zu finden. Der Bürgermeister von Irsee, Andreas Lieb, hatte als erster eine brauchbare Idee: das Wasser aus dem Oggenrieder Weiher abzulassen. 

Klar, dabei kommt so manches wieder zum Vorschein, nur eben nicht die Schildkröte …

Nun rückten Zoologen an, zehn an der Zahl. Die, so hieß es in den Medien, versetzten sich geistig in die Lage der Schildkröte, um neue Fang-Ideen auszubrüten. Ich habe wirklich nichts gegen Zoologen, solche Leute können und wissen sicher eine ganze Menge. Aber wie sieht es mit der Praxis aus? 

In der mongolischen Wüste bin ich das erste Mal auf Zoologen gestoßen. Wer mein Buch gelesen hat, kennt diese witzige Episode. 

Oder wie war es mit den Wölfen? Erst vor wenigen Monaten hatten Forscher entdeckt, dass Wölfe Lachse essen. So jedenfalls stand es in der Zeitung. Du liebe Zeit! Dass Hundeartige sich auch Fische aus dem Wasser “angeln”, ist doch wirklich ein alter Hut. 

Und nun diese Zoologen. Sie hatten den famosen Einfall, Fallen mit gammeligem Fleisch aufzustellen. Dort hinein, das war klar, würde die hungrige Schildkröte schleunigst krabbeln. Weil sie einen sehr guten Geruchssinn hat und das verwesende Fleisch von weitem riecht. 

Aber, warum sollte sie das tun? Im Schlamm gibt es jede Menge Futter. Jeder weiß doch, was für ein reges Bodenleben in Weihern herrscht. An diesen Würmern, Krabbeltieren, Amphibien, toten Fischen usw. kann “Lotti” sich auch satt essen. Warum sollte sie dann in eine Falle kriechen, die schon von weitem nach diesen lästigen Zweibeinern riecht, die dort überall herumtrampeln. 

Neben dem Geruch erkennen sie Menschen  auch  am Trittschall und an dem pluppenden Saugen, wenn man seine Stiefel wieder aus dem Schlamm zieht. So haben die suchenden Feuerwehrleute natürlich keine Chance, Lotti zu finden.

Zum anderen sind fleischfressende Schildkröten beileibe nicht dumm. Wir Menschen unterschätzen Tiere oft. Ein kleines Beispiel: 

Bekannte hatten einen Zierteich, in dem es auch Kröten und Frösche gab. Verspielt, wie ich immer noch bin, band ich eine Schnur an einen Stock, und an diese Schnur hängte ich ein “Katjes”. Das ließ ich den Fröschen vor der Nase baumeln. Sie schnappten danach - igitt, nicht essbar - und spuckten es wieder aus. Das kann man immer wieder machen, stundenlang (falls man die Geduld dafür hat). 

Dasselbe habe ich mit einer Kröte versucht: sie schnappte das Katjes, spuckte es wieder aus und strafte den Köder fortan mit Verachtung. Ja, selbst Stunden später fielen weder sie noch die anderen Kröten auf den Köder herein! Also können sie logisch denken und sich etwas für eine gewisse Zeit merken. 

Ich konnte es nicht lassen, und rief auch in Irsee an. Obwohl die armen Irseer bestimmt von Tierkommunikatoren, Schildkrötenseelensuchern  und anderen ungefragten Ratgebern überrannt wurden. Der Bürgermeister war erstaunlich freundlich und hörte sogar zu, obwohl der arme Kerl sicher anderes zu tun hat. 

“Lieb” 

“Gorina. Ich habe noch eine Idee, wie Sie diese Schildkröte besser finden können ….” Tiefer Seufzer, dann erklärte Herr Lieb: “Wir haben hier mehrere Zoologen als Ratgeber. Außerdem haben wir Fallen aufgestellt und die Feuerwehr sucht den Weiher ab, mit langen Bambusstangen …” 

“Haben Sie auch daran gedacht, dass man beim Stochern mit Stangen die im Schlamm hockende Schildkröte nicht von einem Stein unterscheiden kann? Oder wenn sich das Viech im metertiefen Schlamm einbuddelt?” 

“Na ja, irgendwann muss sie ja mal herauskommen …” 

“Was, wenn sie nachts rauskommt und auf das schon abgesuchte Areal krabbelt? Im Dustern sieht man das Viech doch nicht unbedingt. Auch wenn man Wachen aufstellt.” 

“… Die Schildkröte muss doch auch fressen, und da sind doch die Fallen …” 

“Würden Sie bis zu einer Falle marschieren, wenn es direkt vor Ihrer Nase im Schlamm genug zu fressen gibt?” 

“Tja …” 

Ich ließ den armen Kerl gar nicht mehr zu Wort kommen: “Das einzige, was jetzt noch hilft, wäre, den Schlamm mit riesigen Rohren abzusaugen. Mit Moniereisen als Filter davor.  Das würde natürlich sauteuer … Oder sie baggern den ganzen Weiher einfach aus. Aber das ist auch nicht billig!” 

”Am besten machen wir aus dem ganzen Weiher ein Baugebiet”, seufzte der arme Bürgermeister abgrundtief. 

“Ja, das sehe ich auch so”, stimmte ich ihm zu. 

Vor einigen Tagen las ich in der Zeitung, dass man daran denke, den Oggenrieder Weiher auszubaggern … 

Manche meinen, dass diese Schildkröte den Allgäuer Winter nicht überleben wird. Da bin ich mir nicht so sicher. Grund: Diese Schildkröten leben auch in Kanada - und dort soll es sehr strenge Winter geben ;-) Und bekanntlich gehören Schildkröten zu den poikilothermen (wechselwarmen) Tieren. Bei Kälte fahren sie einfach ihren Stoffwechsel herunter.


Veröffentlicht am 13.08.2013 von Germany


Veröffentlicht am 12.08.2013 von TV Allgäu Nachrichten

Übernommen von Over-Blog

Samstag, 17. August 2013

GLOSSE: Finanzminister Schäuble - schlaflose Nächte und das Euro-Risiko-Spiel

In Europa läuft seit Jahren ein Spiel - 
RISIKO!
Das wird von den Finanzministern der EU-Staaten gespielt. Da gibt es Länder, die sind hoch verschuldet. Dann ruft der Finanzminister der Deutschen:
RISIKO!
Und auch die Deutschen haften für die Kredite, die den armen Ländern gewährt werden! Und wenn die armen Länder ihre Kredite nicht zurückzahlen können? Dann heißt es wieder
RISIKO!

Bald ist wieder Bundestagswahl in Deutschland! Die Kanzlerin will wieder gewählt werden! Und Griechenland braucht Geld. So kurz vor der Wahl will der Finanzminister kein Geld mehr geben. Es sieht ja so aus, dass Griechenland nicht einmal die Zinsen für die bereits erhaltenen Kredite bezahlen kann. Also die klassische Pleite eines Staates. 

Dann gibt es in diesem Spiel noch eine Variante - 
SCHULDENSCHNITT!
Das bedeutet, dass die Gläubiger - allen voran die Deutschen - auf ihr Geld verzichten müssen. Ja, da werden mit einem Fingerschnippen Milliarden von Steuergeldern verbrannt. Die lösen sich einfach in Luft auf. Deshalb will der Finanzminister der Deutschen und die deutsche Kanzlerin die Mitspieler daran hindern, dass sie
SCHULDENSCHNITT
ausrufen.

Nur die Opposition gibt keine Ruhe. Sie will wissen: Wieviel Milliarden Euronen hat Deutschland bisher verzockt - in diesem Spiel? Wie hoch ist das gesamte
RISIKO
für Deutschland. In schlaflosen Nächten rechnet der Finanzminister hin und her - er kommt auf eine Zahl und nennt sie der Opposition. Die nimmt sie zur Kenntnis und schreibt sie auf.

Die Opposition hat ein funktionierendes Gedächtnis. Sie erinnert sich an Zahlen, die der Finanzminister kurz zuvor genannt hat. Und sie stellt fest: Die neu errechnete Zahl des Finanzministers ist ja dreimal so hoch wie die kurz zuvor errechnete!

Der Finanzminister ist sauer! Er fühlt sich in seiner Ehre verletzt! Schließlich ist er der Finanzminister!

Quelle: Frankfurter Allgemeine Schäuble: Gesamtrisiko beträgt 310 Milliarden Euro: Insgesamt betrage der höchstmögliche Haftungsbetrag unverändert 310 Milliarden Euro, sagte Schäubles Sprecherin in Berlin. Dies ist mehr als dreimal soviel, wie das Ministerium kürzlich als aktuelle Risiken angegeben hatte.

Und dann gibt es eine besonders freche Oppositionspartei, die AfD, Alternative für Deutschland, deren Sprecher Bernd Lucke sagt: "Angesichts dieser Zahlen kann einem schon schwindelig werden - insbesondere da sie jede Woche steigen." Und deshalb will diese AfD bei diesem Euro-Spiel nicht mehr mitspielen und aussteigen. Frei nach dem Motto:
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!

Und
SCHULDENSCHNITT
für Griechenland - das darf vor der Bundestagswahl nicht gespielt werden, die Kanzlerin ist dagegen. Nach der Wahl - ja, dann lässt sich darüber reden. Dann darf eine andere Spielvariante gespielt werden: 
ALTERNATIVLOS!

Und noch jemand spielt mit: Ein Institut. Das hat besonders schnelle und besonders genaue Rechner. Und das kommt zu folgendem Ergebnis: Unter der Annahme, dass der Euro zusammenbricht und die Krisenländer inklusive Spanien und Italien zahlungsunfähig werden, kommt das Institut nach seiner neuesten Berechnung auf 533 Milliarden Euro Verluste für Deutschland. 

Und dieses Ifo-Institut geht noch weiter: Wenn die Krisenländer in Konkurs gehen, nachdem alle zugesagten Hilfsmittel ausgezahlt wurden und das Ausleihvolumen des ESM ausgeschöpft ist, ergibt sich nach Ifo-Berechnung im Falle der Fortexistenz des Euro ein maximaler deutscher Verlust von 637 Milliarden Euro. 

Davon will jedoch das Finanzministerium nichts wissen. Grund: Dann ist das Euro-Spiel ja aus! Und was machen dann all die Euro-Politiker? 

Nur das, was sie bisher gemacht haben: Sie erfinden einen 
EURO 2!
Es sei denn, wir Wählerinnen und Wähler schicken diese Euro-Politiker bei der Wahl alle nach Hause!


Veröffentlicht am 10.08.2013 von Florian Jäger

Übernommen von Over-Blog

Samstag, 26. Januar 2013

Geburtstagliches Nachtgespenst - Blog von Kiat Gorina


Schon wieder Geburtstag, nur dass es heute eine Studienfreundin  erwischt hatte. Ich wollte sie nur kurz anrufen und ihr ein “Happy birthday to you...” entgegenschmettern. Weit kam ich nicht, da hörte ich so ein verräterisches Glucksen im Hörer. 

“Susi? Hast du dich ob meines schauerlichen Gesangs verschluckt?”, fragte ich besorgt. 

“Hi ...hi...hihihiiii nein! Mir fiel nur gerade dein Vater wieder ein. Weißt du noch, als wir mal bei euch zuhause feiern wollten?” 

Jetzt brüllte ich auch los, wir konnten uns nicht wieder einkriegen. Das war eine tolle Sache. Wenn einer von meinen Freunden Geburtstag hatte, feierten wir im Wohnheim. Jeder brachte irgendwas Essbares mit, an sämtlichen Steckdosen hingen diese Mini-Elektrogrills, der Platz reichte hinten und vorne nicht aus. So ließen wir die Tür offen und das Ganze wurchs sich  zu einer Stockwerksfete aus. 

Dummerweise wohnte ich bei meinen “Eltern” ,in einer Art Kinder-Abstell-Besenkammer. 

Schon am Morgen drohte “Muttern”:  “Wage es ja nicht, irgend welche von deinen dubiosen Bekannten hierher einzuladen. Der einzige, den ich hier sehen möchte, ist der nette Arndt. So ein lieber, wohlerzogener Junge. An dem solltest du dir ein Beispiel nehmen. Und seine Mutter ist eine feine vornehme Dame ...” 

“Amen!”, fiel ich ihr ins Wort. Diesen in der Nachbarschaft wohnenden Lackaffen konnte ich noch nie leiden. 

“Du hast es nicht anders gewollt! Wir werden unsere Wohnräume und die Küche abschließen. Da kannst du mal sehen, wo du feiern willst!” fauchte  Muttern zum Schluss. 

Solange sie nur den Lokus nicht abschließt, dachte ich bei mir. 

Wir waren also vorgewarnt. Mehr als sechs Leute passten nicht in mein Zimmer, sonst kriegten wir die Tür nicht mehr zu. Zum Glück besaß ich einen riesigen alten Teekessel, mehrere Becher, einen Wasserkocher und ein Stövchen. Die Fressalien bereiteten wir in Lemgo im Wohnheim vor, die anderen wollten sie nachher mitbringen. Und natürlich einen Kassettenrecorder. 

Abends konnte ich Vatern hören, wie er sämtliche Räume energisch versperrte und die Schlüssel abzog. Dann verbarrikadierten sich meine “Eltern” im Fernsehraum, kurz bevor meine Freunde eintrudelten. 

Nanu, warum grinste die Bande so komisch? Hatten sie etwas vor? 

Allerdings! “Mach mal die Augen zu und breite die Arme aus”, kommandierte Alex. Na gut.  Uffa - schon ging ich in die Knie! Die Fünf hatten mir tatsächlich ein Geschenk mitgebracht! Ein schwergewichtiges.  Was ich da krampfhaft vor dem Absturz rettete, war ein mit einer riesigen Schleife verzierter Sack .Drin waren 25 Kilo Hundefutter für Dobbi!  

Mein Freudengebrüll war sicher in der ganzen Nachbarschaft zu hören! 

Wir verzogen uns nach oben, wo die essbaren Herrlichkeiten, der große Teekessel und unsere Beine ein interessantes Stilleben abgaben. 

Trotzdem, die Stimmung war famos, es war urgemütlich und erinnerte irgendwie an ein überfülltes mongolisches Ger. 

Nur mich beschlich langsam ein leicht mulmiges Gefühl. Vatern hatte sich schon bettfertig gemacht. Das hörte ich jeden Abend ganz genau, weil ihm jeden Abend das Gebiss mit lautem “Klimm-klimm-klong” ins Waschbecken fiel. 

Aha, schlappende Schritte, gleich ging es los: 

Tock-tock-tock! Ich stand vorsichtig auf, mir kam eine Idee, wie ich Vaterns morgige Strafaktion abbiegen könnte. 

Nochmal: tock-tock- tock! Schon wesentlich lauter! 

“Halb fffehn ifff aba ...” 

Weiter kam Vatern nicht. Ich riss nämlich schwungvoll die Tür auf und trompetete: "Mein Vater will euch was sagen!” 

Da stand er in seienr ganzen Pracht: im gold-braun gestreiften Schlafanzug, mit Schlappen , ohne Zähne und auf dem kahlen Kopf eine verknoteteStoffwindel gegen die nächtliche Kälte. 

Das  “...Nafftruhe” ging im schallenden Gelächter unter. 

Eine Strafaktion gab es nicht...


Veröffentlicht am 04.07.2012 von TheUnblackVampire


Veröffentlicht am 06.03.2012 von liederkorb