Vater ein deutscher Ingenieur, der im II. Weltkrieg in Peenemünde an der Entwicklung der V2 mitwirkte, Mutter Mongolin, die in die Rote Armee eintrat und für die Industriespionage in die DDR abkommandiert wurde.
Aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden. Als ich noch ein Kind war, hat der Schamane in mir eine Schamanin erkannt. Das wollte ich aber nicht sein und auch nicht werden. Aber ich konnte vor meiner Bestimmung nicht davon laufen.
Allen Leserinnen und Lesern, Freunden und Bekannten wünsche ich Frohe Weihnachten und eine friedliche Zeit! Wer wissen möchte, was ich früher von meiner deutschen "Familie" einmal zu Weihnachten geschenkt bekam, klicke hier Eine Bombe als Weihnachtsgeschenk...
Frieden im Himmel und auf Erden? Im Himmel? Keine Ahnung, da war ich noch nicht. Und auf Erden? Wenn es anderswo auch so zuging wie bei meinen “Eltern”, wäre “Angriff!” oder “Klar zum Gefecht” passender. Das fing schon einige Tage vor den Feiertagen an. Da fiel es Muttern ein, das ganze Haus richtig auf Hochglanz zu bringen. Eigentlich nicht nötig, bei uns hätte man durchaus kleinere Notoperationen auf dem Wohnzimmertisch durchführen können. Tiere, Staub oder gar Bazillen hatten strengstes Hausverbot! Trotzdem: “Ach du meine Güte! Weihnachten! Und das Haus ist noch nicht geputzt!” Das war Mutterns alljährlicher Schreckensschrei. Komisch. Kommt Weihnachten denn immer so plötzlich? Eigentlich sollte sie es doch langsam wissen. Dann kam das große Räumen. Alles musste von außen, innen und dahinter porentief rein gewienert sein. Bei anderen Leuten roch es nach Tannen und Weihnachtsgebäck, bei uns nach Staubsauger und Putzmittel … War die Putzwut erst einmal ausgebrochen, gab es kein Halten mehr. So tobte der Wirbelsturm auch durch meine sparsam möblierte “Kinderabstellkammer”. Wie sonst auch immer kippte Muttern meine Schreibtischschubladen mit Schwung auf den Boden. Gerade wollte sie über mein Chaos loszetern - da wurden ihre Augen starr. Was hatte sie nur so erschreckt? Eine Blindschleiche war keine drin, aber was dann? “Was ist das hier? Woher hast du das? Sag sofort, wer dir das gegeben hat! - Adolf! Adolf! Komm schnell! Deine missratene Tochter hat sich Geschenke erbettelt! Tu doch was!” Mir blieb der Mund offen stehen. Was Muttern mir anklagend entgegen streckte, waren Weihnachtsgeschenke. Eigentlich hätte sie doch das Jahrzehnte alte Geschenkpapier aus unserer Weihnachtskiste erkennen müssen. Seit ich in Deutschland war, hatten meine “Eltern” nicht einmal Geschenkpapier gekauft. Das Papier vom Vorjahr wurde sorgsam geglättet und Tesafilmschnipsel abgepuhlt. Das rote Papier mit den aufgedruckten Schaukelpferdchen und Lebkuchen und das dunkelgrüne mit den Strohsternen gehörte doch schon ewig zur Familie. Jetzt nicht mehr. Unter Mutterns wütend reißenden Fingern hauchte es sein langes Leben aus. “Das hier nehme ich mit! Schäm dich! Was sollen denn die Leute sagen?” Damit rauschte sie davon, samt Weinbrandbohnen (für Muttern), Riesenmarzipanbrot (für Vatern), Gewürzseife (für Mutterns Schwester) und der Riesennussschokolade (für Halbbruder Wotan). Sachen, Sachen ihr entschwandet - und kein Geld für neue Weihnachtsgeschenke. Mit damals monatlich fünf Mark (nicht Euro!) Taschengeld konnte ich keine großen Sprünge machen. Dann kam der so genannte Heiligabend. Und damit die “ schöne Bescherung”. “Hast du es nicht einmal für nötig befunden, uns eine Kleinigkeit zu schenken!?” krähte Vatern anklagend und nahm mir mein noch nicht ausgewickeltes Päckchen gleich wieder weg. “Uffta, Glück gehabt”, dachte ich und sah den anderen beim Auspacken ihrer Geschenke zu. Ich hatte ein mittelschweres Strafgericht befürchtet. Dann bekam ich fast Stielaugen: Muttern hatte einen Fotoapparat von Vatern bekommen! Der sah genau so aus wie meiner, den mir Vatern letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte. Das gute Stück war sehr billig verkauft worden, weil ein LED nicht funktionierte. Wenn Belichtung usw. richtig eingestellt war, leuchtete es grün und man konnte knipsen. Ich hatte meinen Fotoapparat freudestrahlend ausprobiert und lauter nachtschwarze Fotos geschossen. Da hatte ich den Knipskasten enttäuscht in mein Regal gelegt und nicht mehr benutzt. Nun hatte Muttern offenbar den gleichen bekommen. Auch bei diesem funktionierte das bewusste LED nicht. Ahnungsvoll rannte ich nach oben in mein Zimmer, um nach meinem Fotoapparat zu schauen. Der war nicht mehr da … Zurück im Wohnzimmer fragte ich: “Papa, mein Fotoapparat ist weg, ist das da meiner?” Vatern blies sich auf: “Natürlich ist das deiner, aber jetzt gehört er Mutter! Du hast ihn ja nie benutzt!” “Aber - du kannst doch nicht einfach meine Sachen verschenken, der gehört immer noch mir!” Theatralisch schluchzend unterbrach Muttern mein Schimpfen: “Du gönnst mir aber auch gar nichts!” Na dann: Frohe Weihnachten!
Schon wieder Geburtstag, nur dass es heute eine Studienfreundin erwischt hatte. Ich wollte sie nur kurz anrufen und ihr ein “Happy birthday to you...” entgegenschmettern. Weit kam ich nicht, da hörte ich so ein verräterisches Glucksen im Hörer. “Susi? Hast du dich ob meines schauerlichen Gesangs verschluckt?”, fragte ich besorgt. “Hi ...hi...hihihiiii nein! Mir fiel nur gerade dein Vater wieder ein. Weißt du noch, als wir mal bei euch zuhause feiern wollten?” Jetzt brüllte ich auch los, wir konnten uns nicht wieder einkriegen. Das war eine tolle Sache. Wenn einer von meinen Freunden Geburtstag hatte, feierten wir im Wohnheim. Jeder brachte irgendwas Essbares mit, an sämtlichen Steckdosen hingen diese Mini-Elektrogrills, der Platz reichte hinten und vorne nicht aus. So ließen wir die Tür offen und das Ganze wurchs sich zu einer Stockwerksfete aus. Dummerweise wohnte ich bei meinen “Eltern” ,in einer Art Kinder-Abstell-Besenkammer. Schon am Morgen drohte “Muttern”: “Wage es ja nicht, irgend welche von deinen dubiosen Bekannten hierher einzuladen. Der einzige, den ich hier sehen möchte, ist der nette Arndt. So ein lieber, wohlerzogener Junge. An dem solltest du dir ein Beispiel nehmen. Und seine Mutter ist eine feine vornehme Dame ...” “Amen!”, fiel ich ihr ins Wort. Diesen in der Nachbarschaft wohnenden Lackaffen konnte ich noch nie leiden. “Du hast es nicht anders gewollt! Wir werden unsere Wohnräume und die Küche abschließen. Da kannst du mal sehen, wo du feiern willst!” fauchte Muttern zum Schluss. Solange sie nur den Lokus nicht abschließt, dachte ich bei mir. Wir waren also vorgewarnt. Mehr als sechs Leute passten nicht in mein Zimmer, sonst kriegten wir die Tür nicht mehr zu. Zum Glück besaß ich einen riesigen alten Teekessel, mehrere Becher, einen Wasserkocher und ein Stövchen. Die Fressalien bereiteten wir in Lemgo im Wohnheim vor, die anderen wollten sie nachher mitbringen. Und natürlich einen Kassettenrecorder. Abends konnte ich Vatern hören, wie er sämtliche Räume energisch versperrte und die Schlüssel abzog. Dann verbarrikadierten sich meine “Eltern” im Fernsehraum, kurz bevor meine Freunde eintrudelten. Nanu, warum grinste die Bande so komisch? Hatten sie etwas vor? Allerdings! “Mach mal die Augen zu und breite die Arme aus”, kommandierte Alex. Na gut. Uffa - schon ging ich in die Knie! Die Fünf hatten mir tatsächlich ein Geschenk mitgebracht! Ein schwergewichtiges. Was ich da krampfhaft vor dem Absturz rettete, war ein mit einer riesigen Schleife verzierter Sack .Drin waren 25 Kilo Hundefutter für Dobbi! Mein Freudengebrüll war sicher in der ganzen Nachbarschaft zu hören! Wir verzogen uns nach oben, wo die essbaren Herrlichkeiten, der große Teekessel und unsere Beine ein interessantes Stilleben abgaben. Trotzdem, die Stimmung war famos, es war urgemütlich und erinnerte irgendwie an ein überfülltes mongolisches Ger. Nur mich beschlich langsam ein leicht mulmiges Gefühl. Vatern hatte sich schon bettfertig gemacht. Das hörte ich jeden Abend ganz genau, weil ihm jeden Abend das Gebiss mit lautem “Klimm-klimm-klong” ins Waschbecken fiel. Aha, schlappende Schritte, gleich ging es los: Tock-tock-tock! Ich stand vorsichtig auf, mir kam eine Idee, wie ich Vaterns morgige Strafaktion abbiegen könnte. Nochmal: tock-tock- tock! Schon wesentlich lauter! “Halb fffehn ifff aba ...” Weiter kam Vatern nicht. Ich riss nämlich schwungvoll die Tür auf und trompetete: "Mein Vater will euch was sagen!” Da stand er in seienr ganzen Pracht: im gold-braun gestreiften Schlafanzug, mit Schlappen , ohne Zähne und auf dem kahlen Kopf eine verknoteteStoffwindel gegen die nächtliche Kälte. Das “...Nafftruhe” ging im schallenden Gelächter unter. Eine Strafaktion gab es nicht...
Was? Da bekommt jemand einen riesengroßen Adventskalender geschenkt und was macht er? Er ruft die Polizei! Vielleicht hatte er Angst, dass dieser Adventskalender Schokolade enthält, die mit Mineralöl verpanscht ist? Und mit hochgiftigen Stoffen! Ja, solche Adventskalender wurden und werden immer noch verkauft: Quellen:
Aber in diesem Fall garantieren die Verschenker, dass dieser Adventskalender garantiert frei von Mineralöl ist! Dieser Adventskalender enthält nur Wahres und gute Ratschläge! Der Beschenkte ist Nils Schmid - der derzeitige Finanzminister von Baden-Württemberg, und wer verschenkte diesen Adventskalender? Die Parkschützer, die die Ermordung der stattlichen Bäume im Stuttgarter Schlossgarten betrauern - zumal diese Bäume ganz umsonst ermordet wurden! Und damit dieser Finanzminister nicht noch einmal den gleichen Fehler macht, schenkten ihm die Parkschützer eben diesen Adventskalender. Aber der Nils weigerte sich, diesen Adventskalender in Empfang zu nehmen und ließ die Polizei aufmarschieren. Quellen:
Heute kamen mir die ersten Prospekte voller "Geschenkideen zu Weihnachten" ins Haus geflattert. Und ich dachte mit leisem Schaudern an die Weihnachtsabende bei meinen "Eltern" zurück: Just the same procedure as every year. Jedes Jahr durfte ich mir als Geschenk etwas für zwanzig DM (also zehn Euro) aus dem Quelle-Katalog aussuchen. Und ich wollte gern eine Schreibtischlampe haben. In meinem winzigen Zimmer stand der Schreibtisch an der Wand, die Deckenlampe hatte ich im Rücken. Da blieb des Öfteren die Erleuchtung bei mir aus. Licht musste her, aber wie? Ha, das könnte gehen. Ich entführte die große Stehlampe. Mitten unter deren riesigen Lampenschirm pflegte Vatern zu thronen, wenn er im Hobbyraum "residierte". Der Schirm schwebte wie ein übergroßer Heiligenschein über Vaterns Haupte, das Licht ergoß sich so rund um seine hochwerte Person. Ich hatte gerade erst mit den Hausaufgaben angefangen, da wurde die Lampe zurück erobert. Im Dunkeln konnte ich schlecht lernen. Und wenn ich im Winter von der Schule kam, war es duster. So, was jetzt? Dann musste ich halt den Schreibtisch unter die Deckenlampe ziehen, wenn das die Enge in meiner Bude zuließ. Da drin konnte ich auch nur eine Tür meines Kleiderschranks weit öffnen, vor der anderen Tür stand das Bett. Wenn ich nun den Schreibtisch unter die Lampe ziehe, geht die Zimmertür nicht mehr auf. Egal, irgendwie musste das gehen. Zu der Zeit war ich noch so ein dürrer Hungerhaken, der sich durch die schmalsten Spalten zwängen konnte. Also los. Dieser schwere klobige Eka-Schreibtisch hatte nur einen Fehler. Seine dünnen Beine waren nicht angeschraubt. Die beiden Beinpaare lagen nur in Kerben, um nicht zu verrutschen. Zog man am Schreibtisch, klappten die Beine weg und der Tisch samt seinen Schubladen sackte mit lautem Gepolter zu Boden. So auch diesmal. Das laute "Romms" dröhnte durch das ganze Haus. Auch von unten "dröhnte" es los: "Was fällt dir ein! So einen Krach zu machen? Du benimmst dich wieder unmöglich! Außer Randalieren hast du ja bei deinen Hottentotten (sie meinten damit die Mongolen!) nichts gelernt! Mach sofort die Tür auf! Ich befehle es dir!" Immer wieder warf Vatern sich voller Wut gegen die Tür. Die ging aber nicht auf. Konnte sie auch nicht. Der Schreibtisch war fest zwischen Bett und Zimmertür eingekeilt. Dazwischen klemmten die Reste meines Stuhles, der bei Vaterns Attacke sein Leben aushauchte. Er war zwischen die "Fronten geraten". Der Stuhl war nicht das einzige Opfer von Vaterns Raserei. Die Zimmertür bekam einen Sprung, Vatern eine Schulterprellung, die Schreibtischbeine waren nicht mehr zu gebrauchen. Und ich bekam wie schon so oft Vaterns Hausschuhe um die Ohren geschlagen, als ich endlich meine Trümmerstätte verlassen konnte. Meine Hausaufgaben erledigte ich fürderhin im Schneidersitz. Irgendwie vermisste ich die Schreibtischbeine und den Stuhl ... Ja, und dann kam Weihnachten und damit hoffentlich meine lang ersehnte Schreibtischlampe. Heiligabend: nach dem Anhören der Weihnachts-Schallplatte, auf denen Vatern seine Lieblingsstellen offenbar angekreuzt hatte, gab es Geschenke. Mein Halbbruder Wotan strahlte: er hatte seine heiß ersehnte 750-er BMW (schweres Motorrad) und eine neue Motorradjacke bekommen. Ich strahlte auch: gleich würde ich meine dringend benötigte Schreibtischlampe bekommen! Nanu, irgendwie fühlte sich dieses Geschenk so gar nicht wie eine Lampe an. War es auch nicht. Was da aus dem schon mehrfach verwendeten Geschenkpapier zum Vorschein kam, war ein kleines uraltes Röhrenradio. Mit dem Ding konnte man immerhin Kurzwelle und Mittelwelle empfangen. Ich war am Boden zerstört, ich brauchte kein Radio, sondern dringend eine Lampe! Und wie ich meine "Eltern" inzwischen kannte, folgte noch eine kalte Dusche. Schon ging es los: "Eigentlich hast du so etwas Schönes gar nicht verdient! Aber wir wollen nicht, dass du uns wieder so vor anderen Leuten blamierst!" Das war meine "Mutter. Ihr "Was sollen denn die Leute sagen!" wuchs sich langsam von einer leichten Macke zu einer Riesenmeise oder schon zu einem Schwan aus. Es ging noch weiter, weil ich mich an meine neueste "Untat" nicht erinnerte. "Deinen Freundinnen zu erzählen, du hättest kein Radio und keine Schallplatten! Was sollen denn die Leute sagen! Da im Schrank, Radio, Plattenspieler, Platten, alle da! Du lügst, wenn du nur den Mund aufmachst!" Eben jener, der Mund nämlich, blieb mir offen stehen. "Muttern" selbst hatte mir strengstens verboten, das Wohnzimmer zu betreten. Nur an hohen Feiertagen, wie Weihnachten oder Ostern durfte ich in dieses "heilige Gemach". Jetzt fiel mir auch meine Untat wieder ein: Freundinnen hatte ich zur Schulzeit keine. Und diese beiden Klassenkameradinnen kamen wahrscheinlich aus purer Neugier oder Bosheit vorbei. "Ey, komm, wir wollen mal deine neuesten Platten hören. Abba, Boney M., zeig mal,was du so hast." Ich war mir klar darüber, dass sie mich nur auf den Arm nahmen. Ich war doch nur der Klassenidiot, die Lachnummer. Kein Wunder, ich war neu in der Klasse und sah dazu aus, wie ein tragischer Clown. Weil ich aus der Lubjanka keine Kleidung mitgebracht hatte, staffierte Muttern mich aus, aber nach ihrem Geschmack. Das hieß: kackbraune Oma-Wollhosen, deren Gummizug unter den Armen kniff. Kakelige großgeblümte Blusen, Häkelpullis mit Spitzenkragen ... Mir graust es heute noch, wenn ich an die Sachen denke. Das war 1978. Da gab es knallenge Jeans, Hippie-, Armee- oder Rockerkluft, aber eben keine Oma-Kluft. Und mit offiziell 17 Jahren so herumzulaufen, kam einem Todesurteil gleich. Dass ich weder Radio noch Cassettenrecorder oder gar Platten besitzen konnte, war den Mädchen klar. " ... hatte Oma-Detmold noch auf dem Dachboden. Ich habe es ausprobiert, es ist bestens in Schuss", durchdrang Vaterns Stimme diesen Nebel aus scheußlichen Erinnerungen. Na, dann. Ich klemmte mir das Radio unter den Arm und verzog mich in mein Zimmer. Eine ganze Serie atmosphärischer Störgeräusche konnte ich dem Kasten schon mal entlocken, vielleicht bekam ich ja noch einen brauchbaren Sender herein? Von wegen! Es gab einen mordsmäßigen Puff, ich saß im Dustern und ein verbrannt-staubiger Geruch machte sich breit. Eine Staubexplosion! In dem uralten Gehäuse musste sich der Staub von Jahrzehnten angesammelt haben. Und wenn der heiß wird ... Im Wohnzimmer hörte ich den Rest der Sippe zetern, dann wurde es wieder hell. Und ich schlappte ins Badezimmer. Irgendwie fühlte ich mich paniert. Ich sah in den Spiegel: genau wie Onkel Nolte (Wilhelm Busch) nach der Explosion seiner Tabakspfeife. Mein Zimmer sah auch lieblich aus. Überall klebte diese graue fettige Staubasche aus dem Radio. Den Rest der Weihnachtstage war ich damit beschäftigt, das Zimmer wieder sauber zu bekommen.
In Schweden - dem Heimat- und Ursprungsland der Piraten - da gibt es auch Junge Piraten. Und die hatten eine Idee: Auf einem Festival stellten sie ein Zelt auf und fingen zu backen an - sie buken Waffeln! Und - eben wie richtige Freibeuter - verschenkten sie ihre Waffeln!
Das erzürnte die anderen Waffelbäcker auf diesem Festival - die wollten ihre Waffeln verkaufen - für 25 schwedische Krönchen das Stück - das entspricht 2,75 Euro - tja, der Euro ist auch nicht mehr das was er war. Er ist immer weniger wert.
Also schickten die kommerziellen Waffelhändler die Sicherheitskräfte zu den Jungen Piraten und die vertrieben sie vom Gelände. Die Piraten riefen nach der Polizei. Die sorgte dafür, dass die Jungen Piraten wieder Waffeln backen und verschenken durften. Quelle: TorrentFreak Young Pirates Evicted From Festival For Giving Out Free Waffles
In welcher Welt leben wir eigentlich? Da darf nichts mehr verschenkt werden! Alles muss gegen Cash verkauft werden! Oder haben sich diese Minikapitalisten in Wirklichkeit nur über die Jungen Piraten aufgeregt?
Ich stelle mir vor, was hierzulande passiert, wenn Junge Piraten Waffeln backen und verschenken? Als erstes kommt bestimmt jemand vom Gesundheitsamt und vom Gewerbeaufsichtsamt. Ich bin sicher, dass der deutsche Amtsschimmel eine Ausrede findet, damit die Jungen Piraten keine Waffeln verschenken.
Und zum Schluss ein Blick in eine Vorlesung von Prof. Dr. Harald Lesch über Menschen, die einen an der Waffel haben und meinen, dass am 21.12.2012 die Welt untergehen wird:
Unlängst war abends eine gute Bekannte bei mir - eigentlich zum Plaudern. Da sagte sie zu mir: "Du bist ganz schön blöd, dass du kein Geld verlangst!" - Ich: "Wie meinst du das?" - Sie: "Meine Freundin hat dich mal angerufen, als sie schwanger war. Die Ärzte hatten sie untersucht und festgestellt, dass ihr Baby behindert sein wird." Ich wurde hellhörig. Ich erinnerte mich an so einen Fall. Sie fuhr fort: "Und dann hast du gesagt, sie soll in ein anderes Krankenhaus gehen, und sich noch einmal untersuchen lassen. Das hat sie gemacht, und die Ärzte haben festgestellt, dass das Baby nicht behindert ist!" Ich schwieg, obwohl ich vermutete, von wem sie sprach. Und sie redete weiter: "Das Baby ist wirklich nicht behindert! Das weißt du doch schon! Meine Freundin wollte dir Geld geben, du hast abgelehnt. Warum denn? Andere hätten für so einen Erfolg sicher mehrere hundert Euro verlangt!" "Ich bin aber nicht andere!" brummte ich. "Und außerdem, was habe ich denn getan? Ich habe ihr einen Rat gegeben und nicht mehr! Dafür kann ich doch kein Geld verlangen!" "Doch! Meine Freundin erzählte mir, das du nicht glaubst, dass das Baby behindert ist! Wie konntest du so etwas sagen?" Ich sagte nur: "Ich habe es halt vermutet. Das ist alles." und wollte das Thema beenden. Da flippte sie aus: "Du hast es doch gewusst! Gib es zu! Das ist ja nicht zum Aushalten! Andere nehmen einen Haufen Geld dafür!" "Also, jetzt hör mal gut zu! Wenn ich anfange, mit meinen Fähigkeiten Geld zu verdienen und für solche Ratschläge Geld zu verlangen, dann kann es passieren, dass mir diese Fähigkeiten genommen werden!" "Das glaube ich nicht! Wie war es denn bei den Schamanen in der Mongolei? Die wurden doch sicher bezahlt?" Ich schüttelte den Kopf. "Die Kranken oder ihre Angehörigen brachten dem Schamanen etwas von der Jagdbeute mit. Denn wenn der Schamane Kranke behandelt, da kann er ja nicht zur Jagd gehen." "Das glaube ich nicht. Meine Nichte hat mir erzählt, dass sie wegen ihrer Migräne bei einem Schamanen war, der schnitt sich mit einem Messer in seine Zunge und besprenkelte mit seinem Blut den Boden. Ihr ist ganz schlecht geworden! Und er verlangte dafür 300 Euro!" "Und verschwand ihre Migräne?" Kopfschütteln. Ich fuhr fort: "Da hat sie noch Glück gehabt. Es gibt Schamanen, die lassen das Blut auf die Stirn der Kranken tropfen." "Da wäre meine Nichte bestimmt ohnmächtig geworden! Aber warum machst du das nicht?" "Wieso sollte ich? Ich verteile nicht mein Blut, das brauche ich selbst!" und grinste. Sie murmelte etwas von "Dir ist einfach nicht zu helfen ..." und wechselte endlich das Thema.
So eine doofe Überschrift, maulen einige. Es gibt doch gar keine fliegenden Teppiche, vielleicht in arabischen Märchen. Gemach, gemach! Unser Entwicklungsminister machte eine Reise nach Afghanistan - schließlich muss er auch dort nach dem Rechten sehen. Und er sah in Kabul einen kleinen Teppich, nur neun Quadratmeter groß und nur 30 Kilogramm schwer. Der Minister dachte zunächst, das sei ein Geschenk. So ganz daneben lag er nicht. Schließlich zahlte er nur 1.400 Dollar - und das ist für so einen kleineren Teppich doch wirklich geschenkt. Aber für das Handgepäck war der Teppich zu groß und zu schwer. Aber wozu kennt der Minister den Chef vom BND? Der Minister erzählte ihm, dass er ein größeres Geschenk erhalten habe, das müsse nach Deutschland transportiert werden. Aber das ist doch kein Problem! meinte der BND-Chef. Da leistet der BND doch glatt Amtshilfe und nimmt das Geschenk nach Deutschland mit. 30 Kilo mehr oder weniger machen doch dem BND nichts aus. Da die Flüge des BND hochgeheim sind, bekam der Zoll nichts mit. Wozu auch. Das ist doch geheime Kommandosache. Aber dann sickerte irgendwie durch, dass das eine Privatangelegenheit des Ministers war. Und der BND-Chef rückte ab - vom Entwicklungsminister. Der aber ging in sich und erinnerte sich, das er das mit dem Zoll doch glatt vergessen hatte. Also beantragte der Minister einen Steuerbescheid für die 30 Kilo Teppich - und dann ist doch die Welt wieder in Ordnung! Meint der Minister. Und die böse Opposition muss die Klappe halten, schließlich ist der Minister ein ehrenwerter Mann - sonst wäre er doch nicht Entwicklungsminister geworden. Gell, Frau Bundeskanzlerin! Aber nach allem, was so durchgesickert ist, ist es doch ein fliegender Teppich. Und zwar ein ganz besonderer! Da fliegt nämlich nicht der Teppich, sondern sein neuer Besitzer - der Minister! Wollen wir wetten?
Vor einigen Tagen radelte ein junges Mädchen vorbei, sie kam mir bekannt vor. Ach ja, ich hatte sie schon einmal einmal gesehen. Ja ich erinnere mich an meine letzte Lesung, da stand ein Mädchen, es schien mir, als wollte sie mich ansprechen - aber sie traute sich nicht. Also sprach ich sie an und hatte recht gehabt. Sie war bei der Lesung und stellte jetzt ein paar Fragen - recht kluge Fragen! Als sich die Zuhörer verlaufen hatten, unterhielten wir uns noch weiter. Ihr schien es zu gefallen - und mir auch. Dieses Mädchen radelte vorbei, ich rief ihr hinterher. Da kehrte sie um und fuhr auf den Hof. Sie stieg ab und steichelte Riffel, die in der Sonne lag und döste. Ich merkte, dieses Mädchen hatte etwas auf dem Herzen. Also wartete ich ab.
Kosmetik und Tierversuche
Dann fing sie an: "Ich habe in Ihrem Blog gelesen, dass Sie bei Kosmetik gegen Tierversuche sind?" "Du kannst ruhig du zu mir sagen, ich duze dich auch. Okay?" Sie nickte - erfreut. Ich antwortete: "Stimmt! Es geht auch ohne Versuche und dann müssen keine Tiere leiden." Ich sah sie an: "Nimmst du viel Kosmetik?" "Eigentlich nicht, aber meine Eltern wollen das." Ich war verblüfft. "Wieso denn das? Normalerweise sind Eltern froh, wenn ihre Töchter erst spät mit dem Schminken anfangen."
Der Bluff: Ein Beauty-Blog wider Willen
Da stiegen ihr Tränen in die Augen, dann schluchzte sie haltlos. Ich nahm sie in die Arme und wir setzten uns beide auf die Bank. Ich ließ sie weinen. Vom Schluchzen unterbrochen erfuhr ich ihre Geschichte: Ihr Vater war arbeitslos geworden und ihre Mutter machte ihrem Mann Vorwürfe, dass sie sich jetzt bei Kosmetik einschränken müsse. Es kam deshalb immer wieder zum Streit ... Da hatte ihr Vater eine total verrückte Idee: Er fotografierte seine Tochter und bastelte einen Kosmetik-Blog - im Namen seiner Tochter. Das Mädchen wusste von nichts. Es kam nur drauf, weil ein anderes Mädchen in der Schule zu ihr sagte: "Du hast ja einen coolen Blog!" Sie erschrak, sie wusste von nichts. Zu Hause fragte sie ihre Eltern, was das mit dem Blog auf sich hat. Dann schaute sie zum ersten Mal in ihren Blog - und war entsetzt! Da hatte ihr Vater in ihrem Namen an Kosmetikfirmen geschrieben und um Probeartikel gebeten. Sie werde die dann in ihrem Blog positiv bewerten und so weiter. Das gestand ihr eigener Vater.
Die Werbegeschenke der Kosmetik-Industrie
Und die Mutter meinte: "Du weißt doch, dass wir wenig Geld haben, du glaubst gar nicht, wieviel Proben ich schon bekommen habe! Die Firmen schmeißen nur so mit dem Zeug um sich!" Und der Vater fuhr fort: "Und die Meinung deiner Mutter setze ich um und schreibe das in einer etwas kindlichen Sprache - das kommt toll an!" Das Mädchen war geschockt, da sagte ihre Mutter: "Da ist doch nichts dabei! Außerdem kannst du uns doch unterstützen, für dich fällt doch auch Kosmetik ab! Wenn wir Glück haben, kriegen wir auch schicke Klamotten geschenkt, das ist doch etwas. Oder?" Das Mädchen sprang auf und schloss sich in ihr Zimmer ein. Sie wollte niemand hören und auch nicht sehen. Ihre Elten auf keinen Fall! Verständlich. Tja, das war ja eine üble Geschichte! Ob das ein Einzelfall war? Ich denke nicht. Wenn ich da an overblog denke, da wimmelt es seit einiger Zeit nur von Lifestyle, Beauty etc. Meist von jungen Mädchen, oft minderjährig.
Ende gut - Alles gut!
Tja, was tun? Dieser Bluff mit dem Blog sollte so schnell wie möglich beendet werden! Aber wie? Wen ansprechen? Ich entschied mich für die Mutter. Dann fragte ich das Mädchen, ob sie einverstanden ist, wenn ich gleich anrufe. Ich ließ mir die Nummer geben. Ich stellte mich als Schriftstellerin vor, und erzählte, dass ihre Tochter in meiner Lesung war und wir uns dort kennenlernten. "Ja, sie hat so gedrängt, da habe ich sie hingefahren. Mir hat Ihre Lesung auch gefallen. Meine Tochter hat sich Ihr Buch zum Geburtstag gewünscht." Dann sprach ich die Mutter auf die Geschichte mit dem Blog an. Zunächst Schweigen, dann flüsterte sie leise: "Eigentlich bin ich froh, dass das aufgeflogen ist. Ich hatte ein schlechtes Gewissen ..." Dann fuhr sie fort: "Wir lassen den Blog einschlafen!" "Das sagen Sie am besten ihrer Tochter, sie ist nämlich bei mir." Ich gab der Tochter den Telefonknochen und zog mich diskret außer Hörweite. Ich ging ins Haus und nahm vom Stapel der Freiexemplare ein Buch. Als ich wieder rausging, redeten Mutter und Tochter immer noch - ohne sich anzuschreien - wie schön! Als die Tochter das Gespräch beendet hatte, fragte ich sie: "Was soll ich als Widmung reinschreiben? Ich möchte dir mein Buch schenken." "Echt?" "Klar, was soll ich schreiben?" Dann überlegten wir gemeinsam die Widmung. Mit meiner KungFu-Schrift schrieb ich die Widmung. Sie nahm stolz das signierte Buch und verstaute es in ihrem Rucksack. Dann unterhielten wir uns und sie wollte noch die Tiere sehen. Erfreut fuhr sie wieder heim ...