Mittwoch, 8. August 2012

GLOSSE: Sachsen und Stasi 2.0 - Blog von Kiat Gorina


Den schwarz.gelben Regierungskoalitionen laufen die Wählerinnen und Wähler davon. Das hat auch die Landesregierung in Sachsen mit dem Ministerpräsident Tillich gemerkt. Was tun, sprach Zeus? 

Wir müssen beobachten! Wir müssen dem Volk aufs Maul schauen! Das sagte schon Dr. Martin Luder, der sich dann in Luther umbenannte. Und wie machen wir das nur? Stasi-Methoden dürfen wir nicht mehr einsetzen - das soll doch undemokratisch sein! 

Aber da gibt es ja die sozialen Netze - wie Facebook beispielsweise. Aber das geht doch nicht! Da dürfen die Nutzerinnen und Nutzer nur reale Namen verwenden. Was glaubt ihr, was da los ist, wenn wir wir bei den Diskussionen mitlesen und alles aufschreiben? 

Tja, wir könnten ja da uns ein Programm basteln lassen - das macht das alles anonym. So ein Programm liest natürlich alles, speichert alles - aber alles nur anonym. Niemand weiß, dass da ein Programm mitläuft, das ist ja das Schöne an Programmen! Das arbeitet anonym! 

Und die Staatskanzlei zweigte gleich 390.000 Euronen für so ein Programm ab. Die Erstellung eines solchen Programmes gehört zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der sächsischen Staatskanzlei. Sagt die Landesregierung. 

Was hat das mit Pressearbeit zu tun? Normalerweise veröffentlicht die Staatskanzlei Texte, die dann von der Presse gedruckt werden. Aber hier sollen ja Daten gesammelt werden! Tja, "Presse" ist hier etwas anders zu verstehen: Wir "pressen" die Daten bei Facebook und anderen  sozialen Netzen aus wie eine Zitrone, bis wir wissen, was die Wähler so denken. 

Und das macht eine Menge Arbeit - also ist das "Pressearbeit". Und wieso ist das auch "Öffentlichkeitsarbeit"? 

Tja, wir vergeben doch öffentlich Gelder aus dem Staatshaushalt für die Programmierung, das machen wir nicht heimlich, sondern öffentlich. Also ist das richtige Öffentlichkeitsarbeit! 

Aber ist so eine programmgesteuerte Lauschaktion nicht mit den einstigen Abhöraktionen der Stasi geleichzusetzen? Auf keinen Fall, das war doch nur Stasi 0.0 - jetzt setzen wir das Web ein, die Stasi-Mitarbeiter mussten alles manuell machen, die mussten sogar ihre Berichte selbst mit der Schreibmaschine tippen. 
Nein das ist überhaupt nicht vergleichbar!

Also doch Stasi 2.0!

Quelle: teltarif.de Regierung will Wähler über Facebook ausspionieren - für die Politik


Veröffentlicht am 15.06.2012 von Broemmelkamp

besucherzhler

Keine Kommentare:

Kommentar posten